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Mittwoch, April 17, 2024
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    Deutsche Wirtschaft kommt kaum in Fahrt

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    Im Letzten Jahr brach die Deutsche Wirtschaft um 4,6% ein. Für 2021 wurde ein massiver Aufschwung vorhergesagt. Daraus scheint nichts zu werden. Konjunkturforscher:innen des DIW Berlin senkten ihre Prognose für 2021 von 3,2 auf 2,1 Prozent. Damit ist Deutschland noch nicht aus der Krise.

    Weltweit nimmt die Wirtschaft an fahrt auf. War es im letzten Jahr noch zum Rekordeinbruch von -3,5% gekommen, prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin ein Wachstum von 6,7%. Doch der Boom könnte von kurzer Dauer sein, 2022 sollen es wieder „nur“ 5,2% sein.

    Während die Weltwirtschaft – allen voran China – anzieht, sieht es hierzulande anders aus. „Der Konjunkturmotor in Deutschland stottert“, heißt es beim DIW. Vor allem weltweite Engpässe bei Vorleistungsgütern ließen die heimische Industrie – trotz starker Nachfrage aus dem In- und Ausland – nicht in Gang kommen. Entsprechend hat auch der Export an Schwung verloren und stagniert vorerst.

    Weiterbestehende Liefer- und Exportengpässe in Deutschland

    Bei den Dienstleistungsunternehmen, die im Sommer zwar von einer beruhigten Infektionslage profitiert haben, sei aufgrund steigender Inzidenzzahlen im Winter mit erneuten Dämpfern zu rechnen. Die DIW-Analyst:innen unterstellen hier aber, dass es nicht zu so starken Einschränkungsmaßnahmen wie im vergangenen Winter kommen wird, da die Impfstrategie Wirkung zeigt.

    Sie geht zudem von der positiven Prognose aus, dass sich um den Jahreswechsel herum der Produktionsstau nach und nach auflöst. Dann soll laut Einschätzung des DIW die deutsche Industrie im Auftaktquartal 2022 „durchstarten“. Falls die Pandemie wie unterstellt ab Frühjahr mehr und mehr überwunden sei, würden auch die gebeutelten Dienstleistungsunternehmen wieder auf Erholungskurs umschwenken. Entsprechend haben die DIW-Konjunkturforscher:innen die Prognose für das Jahr 2022 auf 4,9 Prozent angehoben. Dann könnte Deutschland wieder auf das Vorkrisen-Niveau kommen und damit auch offiziell die letzte Krise hinter sich gelassen haben.

    Mehr Kurzarbeit

    Das dürfte sich auch in der Beschäftigung niederschlagen. Allerdings wird die vierte Corona-Welle wohl nochmal leicht bremsen und vorübergehend laut DIW-Einschätzung auch die Zahl der Kurzarbeiter:innen wieder nach oben treiben. Diese liegt derzeit noch immer auf einem im Vergleich zur Zeit vor der Krise extrem hohen Niveau.

    Außerdem geht das DIW davon aus, dass „die Löhne im kommenden Jahr wieder nach und nach an die Lohndynamik der Vorkrisenjahre anknüpfen“ dürfte. Im Einklang mit der derzeitigen Inflation dürfte das jedoch Reallohnverluste bedeuten.

    Schuldenquote steigt auf über 70 Prozent

    Banken und Konzerne wurden auch in dieser Krise wieder mit Milliarden an Steuergeldern gerettet und auch der derzeitige Konjunkturaufschwung hängt mit massiven Investitionen zusammen, die vor allem großen Unternehmen zu gute kommen. Das schlägt sich in massiven Schulden nieder.

    Insgesamt werden die Staatsausgaben in diesem Jahr wahrscheinlich nochmals um vier Prozent zulegen und damit zu einem gesamtstaatlichen Finanzierungsdefizit von rund 160 Milliarden Euro führen. Auch im nächsten und übernächsten Jahr rechnet das DIW noch mit einem deutlichen Defizit in Höhe von 78 beziehungsweise 43 Milliarden Euro zu rechnen sein.

    Die Schuldenquote dürfte in diesem Jahr von 69 auf 72 Prozent steigen und im kommenden Jahr wieder auf unter 70 Prozent sinken. Somit dürfte auch die Schuldenbremse im Jahr 2023 kaum wieder einzuhalten sein.

    Marius Clemens, Experte für Finanzpolitik am DIW Berlin dazu: „Auch in den nächsten Jahren wird beim Gesamtstaat mit deutlichen Defiziten zu rechnen sein. Die neue Koalition wird deshalb vor dem Zielkonflikt stehen, die bisherigen Regelungen der Schuldenbremse einzuhalten und folglich zu sparen und zu tilgen oder die Schuldenbremse zu modifizieren, um die notwendige Modernisierung zu voranzutreiben.“

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