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Dienstag, März 5, 2024
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    Niederländische Truppe soll in die Bundeswehr „integriert“ werden

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    Die niederländischen Streitkräfte sollen in ihrer Gesamtheit der Bundeswehr unterstellt werden. Grundlage ist ein Treffen der Heeresinspekteure beider Armeen im letzten Jahr. – Ein Kommentar von Andreas Becker

    Bei einem – medial kaum wahrgenommenen – Treffen am 30. November letzten Jahres unterzeichneten der Heeresinspekteur der Bundeswehr und sein niederländisches Pendant in Dresden eine Erklärung, in der sie die vollständige Zusammenlegung der Hauptkampfverbände der deutschen und niederländischen Landstreitkräfte vorschlugen.

    Was wurde in Dresden beschlossen?

    Beim Treffen des Führungspersonals beider Heere wurde ein gemeinsames Dokument, die “Army Vision”, unterzeichnet. Auf den ersten Blick wirken die gemeinsam beschlossenen Punkte nicht besonders spektakulär. Unter anderem soll es eine Angleichung der Vorschriften zur Optimierung für den Kauf neuer Waffensysteme, eine enge Zusammenarbeit bei der Flugabwehr, eine gemeinsame Ausrichtung der Truppenstruktur und auch ein Austauschprogramm für Offiziere geben.

    Das alles an sich wäre noch nichts besonders Überraschendes. Bereits seit über zehn Jahren arbeiten die beiden Armeen nämlich sehr eng zusammen. Die große Neuerung ist allerdings, dass nun auch die 13. Leichte Brigade des niederländischen Heeres in die 10. Deutsche Panzerdivision integriert wird. Damit werden bald alle niederländischen Brigaden Teil von deutschen Divisionen sein, und die Königliche Armee und das Deutsche Heer werden den Kern ihrer Kampfkraft zu einer gemeinsamen Streitkraft von etwa 50.000 Soldaten vereint haben.

    Aus heiterem Himmel kommt diese Entwicklung nicht, vielmehr handelt es sich hier um eine neue Stufe in einem längeren Integrationsprozess. Offiziell hat dieser Prozess mit der Aufstellung des I. Deutsch-Niederländischen Korps im Jahr 1995 begonnen, ein früher Höhepunkt war die Integration der niederländischen 11. “Luchtmobiele Brigade”. Eine Integration findet jedoch nicht nur bei den Landstreitkräften, sondern auch in den Bereichen der Marine und Flugabwehr statt.

    Ein normaler Vorgang?

    Die Führer der beiden Armeen sind sich bereits einig, dass ihr Plan umgesetzt werden soll, und sie haben auch schon eine Zeremonie zur Feier der Integration für April geplant. Die Politik hat zwar noch kein grünes Licht gegeben, aber bis jetzt gibt es auch in keinem der beiden Staaten Gegenstimmen.

    Es ist allerdings sehr erstaunlich, dass dieser Prozess ohne jegliches Aufsehen abläuft. Es handelt sich hierbei schließlich um eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit in einem Bereich, der den Kern eines Staates berührt: Dass ein Staat, ohne mit Waffengewalt dazu gezwungen zu werden, die Kontrolle über die eigene Armee aufgibt, ist sehr ungewöhnlich.

    Zwar mag es sich de jure noch um die niederländischen Streitkräfte handeln, doch in der Praxis liegt die Zuständigkeit für die letzten drei Brigaden, über die diese Armee verfügt, bei Deutschland. Noch mehr verwundert dieser Schritt in Anbetracht der Erklärungen des Kanzlers, die EU sei die Antithese zum Imperialismus.

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    Was bedeutet das für Deutschland?

    Für Deutschland ist das natürlich ein großer Erfolg: Besonders seit der Verabschiedung des 100-Milliarden-Sondervermögens für die Bundeswehr geht es Deutschland darum, wieder die militärische Führung in Europa einzunehmen. Das niederländische Militär ist jedoch auch kein Leichtgewicht, besonders wenn man die Größe des Landes im Hinterkopf behält. Was Militärausgaben betrifft, befanden sich die Niederlande 2021 weltweit auf Platz 19, noch vor Ländern wie Polen.

    Auch historisch war die niederländische Armee überall auf der Welt zu finden, wenn es darum ging, auf blutige Art und Weise die Interessen des niederländischen Imperialismus zu verteidigen. Direkt im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg führte die niederländische Armee einen brutalen Krieg mit über 100.000 Toten und versuchte, die Unabhängigkeit Indonesiens zu verhindern. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit waren die Niederlande sowohl am Golfkrieg als auch dem Irak-Krieg beteiligt.

    Mit seiner Aufrüstung im Eiltempo und der Integration eines der Top-Militärs in Europa kommt der deutsche Staat seinem Ziel, nicht mehr nur wirtschaftliche sondern nunmehr auch militärische Führungsmacht der EU zu werden, ein großes Stück näher.

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