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Sonntag, März 3, 2024
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    Der Überlebenskampf der Arbeiter:innen bei Ford Saarlouis hält an

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    Seit über einem Jahr ist klar: der Ford-Konzern wird seine Produktion in Saarlouis radikal herunterfahren und plant Massenentlassungen. Die Übernahme des Werks durch einen neuen Investor scheiterte. Die IG Metall versucht aktuell, einen sogenannten „Sozialtarifvertrag” auszuhandeln, der die Zukunft von einem Bruchteil der ca. 4.400 Arbeiter:innen sichern soll. Bislang ohne Erfolg.

    Die Verhandlungen der Gewerkschaft IG Metall mit der Geschäftsführung des Ford-Konzerns sind am Mittwoch erfolglos zu Ende gegangen. Das Unternehmen hält aber aktuell weiter an der Aussage fest, ca. 1.000 Arbeitsplätze bis mindestens 2032 am Standort in Saarlouis zu erhalten. Aktuell arbeiten rund 4.400 Arbeiter:innen am Standort des US-amerikanischen Automobilmonopols im Saarland, weitere 1.300 Arbeiter:innen in Zulieferbetrieben.

    Am Freitag sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Bis dahin hat die IG Metall mehrere Streikmaßnahmen angekündigt, die sich aber auf kurzzeitige Arbeitsniederlegungen beschränken, die nicht geeignet sind, um die Produktion am Standort längerfristig und empfindlich zu stören.

    So soll am Donnerstag die Spätschicht und am Freitag die Nachtschicht in den Streik gehen. Vermutlich wird es sich wie am Mittwoch bei der Frühschicht um eine 1stündige Arbeitsniederlegung handeln. Auch wurden von der IG Metall-Führung bereits Aktionen vor den Werkstoren abgesagt bzw. nach innen verlegt, mit der Begründung, dass das Wetter die Kolleg:innen gefährden würde.

    Die aktuellen Verhandlungen betreffen einen sogenannten „Sozialtarifvertrag”. Gemeint ist,
    dass die IG Metall als “gelbe” Gewerkschaft den Stellenabbau grundsätzlich akzeptiert und versucht, für diejenigen Arbeiter:innen, die dadurch ihre Anstellung verlieren, „möglichst günstige” bzw. sozialverträgliche Konditionen wie Abfindungen oder Weiterbildungen herauszuholen.

    Letztere wären in dem „Sozialtarifvertrag” gar nicht erst berücksichtigt, würden sie doch
    ihre Anstellung höchstwahrscheinlich verlieren. In den USA hingegen hatte die UAW-Gewerkschaft für die amerikanischen Ford-Arbeiter:innen erst im Oktober 2023 durch konsequente kämpferische Streiks z.B. eine 25% Lohnerhöhung heraus gehandelt, außerdem einen zusätzlichen Inflationsausgleich.

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    Investitionslösung unwahrscheinlich, IG Metall-Führung zeigt sich nicht kampfbereit

    Fast das gesamte letzte Jahr wurde zwischen dem Ford-Konzern einerseits und geheimen potentiellen Investoren andererseits verhandelt. Geschäftsführung und Betriebsrat hatten der Belegschaft einen Aufkauf des Werks als optimale Lösung präsentiert. So sagte die IG Metall-Führung die für September geplante Urabstimmung ab, weil die Investorengespräche angeblich erfolgreich laufen würden.

    Auch die saarländische Landesregierung wirkte an den Verhandlungen mit. So bot der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) Subventionen in einem nicht näher benannten „mittleren dreistelligen Millionenbetrag”. Nun scheint die Investitionslösung endgültig vom Tisch. Angegebener Grund für die kommenden Massenentlassungen sei das Produktionsende für das Modell „Ford Focus”. Der Ford-Konzern verfolgt – wie auch die anderen deutschen Automobilmonopole – derzeit seinen strukturellen Umbau hin zur Produktion von E-Autos – auf Kosten der Arbeiter:innen.

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