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Dienstag, Juni 18, 2024
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    Was teuren Orangensaft aus Florida und geflutete Keller in Süddeutschland verbindet

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    Gravierende Ernteausfälle von Orangen in Brasilien und Florida und massive Überflutungen in Süddeutschland – die Klimakrise trifft uns in verschiedenen Bereichen.

    Landwirtschaftliche Unternehmen aus Florida und Brasilien stehen als Hauptexporteure von Orangen vor einer Krise. In den letzten 20 Jahren ist das Angebot von Orangensaft aus Florida von jährlich 240 Millionen auf nur noch 17 Millionen Kisten gefallen. Brasilien konnte die eigene Produktion über die Jahre auf 232 Millionen Kisten ausweiten, doch steckt nun durch überdurchschnittlich hohe Temperaturen und unterdurchschnittliche Niederschläge selbst in der Krise.

    Eine Bericht der Fundecitrus and CitrusBR sagt für das aktuelle Jahr einen Rückgang der Orangenernte von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr voraus. Kees Cools, die Präsidentin der International Fruit and Vegetable Juice Association, spricht von einer Knappheit, wie man sie noch nie vorher erlebt hat – nicht einmal bei starken Kälteperioden oder nach Umweltkatastrophen wie Wirbelstürmen.

    Neben schlechten Wetterbedingungen und Umweltkatastrophen ist ein Grund für die katastrophale Ernte die Verbreitung der „Gelben Drachenkrankheit“, die sich über Blattflöhe vom tropischen und subtropischen Asien aus unter anderem in Brasilien und seit 2008 auch in Florida verbreitet hat. Schlechte Ernten und steigende Kosten für die Bekämpfung der Krankheit haben die Vorräte der Unternehmen an eingefrorenem Orangensaft erheblich schwinden lassen.

    Dadurch schießen nun auch die Preise in die Höhe. So kostete ein Liter Orangensaft 2019 noch 2,41 Dollar, im Jahr 2023 bereits 3,41 Dollar. Der Preis von Orangensaftkonzentrat hat sich innerhalb des letzten Jahres zudem fast verdoppelt. Aufgrund dieser Teuerungen ist die Nachfrage 2023 um 20 Prozent gesunken.

    Sintflut über Süddeutschland

    Auch deutsche Bäuer:innen bleiben von wetterbedingten Ernteausfällen nicht verschont. Ob Erdbeeren, Wein oder Getreide: Überschwemmungen, Frost und Dürreperioden beeinträchtigen den Ernteertrag immer wieder. In extremer Form zeigten sich diese Wetterbedingungen auch am ersten Juni Wochenende in Süddeutschland.

    Dort haben Überschwemmungen Gebiete in Oberbayern und Schwaben in den Ausnahmezustand versetzt. In zahlreichen bayrischen Städten Nahe den Flüssen Donau, Isar und Lein wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Dabei wurden mindestens 3.000 Personen evakuiert. Neben Sachschäden und einigen Verletzten sind ein Feuerwehrmann und eine Frau verstorben, eine weitere Personen wird vermisst.

    Zwar kann nicht jedes einzelne Ereignis einfach dem Klimawandel zugeordnet werden, jedoch nimmt die Häufigkeit solcher Extremwetter immer weiter zu. Grund dafür ist die globale Erwärmung, durch die die Luft feuchter ist und es mehr Regen gibt. Dazu kommt eine veränderte Anordnung von Hoch- und Tiefdruckgebieten und länger anhaltende Wetterlagen, wodurch mehr Regen auf ein mal fallen kann. Dadurch können auch immer wieder neue Regionen von solchen Unwettern betroffen sein.

    Klimakrise verschärft sich in Deutschland…

    Bereits in den letzten Jahren kam es immer wieder zu starken Überschwemmungen, zum Beispiel in Ahrtal im Jahr 2021. Das Tiefdruckgebiet Bernd hatte Schäden in Höhe von über neun Milliarden Euro verursacht und ist damit laut Statista das teuerste Unwetter der deutschen Geschichte. Dabei wurde auch die Existenzgrundlage von vielen Landwirten zerstört. Flächen sind durch große Mengen an Kies, veränderte Flussverläufe und verdichtete Böden unbrauchbar geworden. Die Wahrscheinlichkeit für ein Starkregenereignis wie im Ahrtal ist laut Deutschem Wetterdienst bis zu neun mal höher als vor 100 Jahren.

    In vielen Regionen Deutschlands verschlechtern sich die Situation der Landwirte auch durch Dürren. Brandenburg oder Sachsen-Anhalt sind davon besonders betroffen. „Die Pflanzen hatten teilweise bis zu 75 Prozent weniger Wasser zur Verfügung, als in anderen Jahren“, erklärt Christoph Gornott vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung über das Dürrejahr 2022.

    Auch die aktuellen Niederschläge helfen in den Regionen Süddeutschlands wenig gegen Dürren und die Austrocknung tiefer Bodenschichten. „Besser wäre es gewesen, wenn der Niederschlag gleichmäßig über mehrere Monate gefallen wäre“, sagt Klimaforscher Professor Harald Kunstmann gegenüber dem BR. In diesem Fall fließen die Wassermassen einfach wieder ab, statt tiefer in den Boden einzusickern.

    … und weltweit

    Extreme Regenfälle gab es in den letzten Monaten auch in unzähligen anderen Teilen der Erde. Vergangenes Jahr gab es große Überschwemmungen in Libyen, bei denen über 10.000 Menschen starben und zehntausende verletzt wurden. Im April wurde die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate überschwemmt – dort fiel innerhalb von 24 Stunden so viel Regen wie sonst in einem ganzen Jahr.

    Im Süden Afrikas hält dagegen seit Anfang 2024 die schlimmste Trockenperiode seit 100 Jahren an – und schafft es damit kaum in die Schlagzeilen deutscher Medien. In Simbabwe, Sambia, Angola, Botsuana, Madagaskar, Mosambik, Namibia und Südafrika sind mehr als 24 Millionen Menschen von Hunger und Wasserknappheit betroffen. Das führt wiederum auch dazu, dass bereits kleinere Regenschauer zu Überschwemmungen führen, da die ausgetrockneten Böden kaum Wasser aufnehmen können.

    Die Klimatoten der vergangenen Jahre werden allerdings nicht die letzten bleiben. Aufgrund des Klimawandels rechnet ein Bericht der Unternehmensberatung Oliver Wyman bis 2050 mit 15 Millionen weiteren Opfern.

    Bericht prognostiziert fast 15 Millionen Klimatote bis 2050

    Die Orangensaftknappheit scheint dagegen momentan noch unwichtig oder ist abgesehen von den Teuerungen insofern behebbar, als dass man sich eine andere, resistentere Frucht zur Saftgewinnung suchen kann. Jedoch kann und muss man davon ausgehen, dass es in Zukunft zu gravierenden Ernteausfällen von notwendigen Lebensmitteln kommen wird. Auch die Verbreitung von Insekten und von ihnen übertragenen Krankheiten wie in dem Fall der „Gelben Drachenkrankheit“ aus tropischen Gebieten in andere Teile der Welt wird durch den Klimawandel weiter angeheizt und zu einer Verschärfung beitragen.

    Kein Umweltschutz durch Ampel und Konzerne

    So lange diese Katastrophen jedoch nicht den Profit der Superreichen bedrohen, scheinen sie für eben diese irrelevant. So besucht Scholz höchstens mal ein Katastrophengebiet, um bestätigen zu können, dass eine Katastrophe stattfindet – geholfen ist dadurch aber keinem. Weder Unterstützung für Arbeiter:innen, die ihr zu Hause verlieren, noch Umweltschutzmaßnahmen, die diese Katastrophen vorbeugen würden, gibt es von der Ampel-Regierung in ausreichendem Maß.

    Stattdessen werden neue Aufrüstungsprogramme gestartet und Subventionen an Konzerne, die mit der Zerstörung der Umwelt Profite machen, verschenkt. Diese versuchen wiederum ihre Umweltzerstörung zu vertuschen, indem statt echtem Klimaschutz beispielsweise CO2-Zertifikate oder Kompensationsprogramme gestartet werden. Ein Großteil der versprochenen Kompensationen leistet jedoch keinen effektiven Beitrag zum Klimaschutz, wie erst kürzlich eine Recherche von Correctiv zeigte.

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