Asef darf bleiben, Bivsi kann zurück kommen – die Proteste gegen die Abschiebung zweier junger Menschen haben Wirkung gezeigt. – Ein Kommentar von Tim Losowski

Eigentlich sollte Asef N. nun in Afghanistan sein, möglicherweise wäre er dann jetzt schon tot. Am 31. Mai wurde der 22Jährige in Nürnberg aus der Berufsschule abgeholt, um ihn in den Abschiebeflieger in jenes Land zu setzen, in dem erst am Montag wieder mindestens 60 Menschen bei Selbstmordanschlägen ums Leben kamen. Doch in einem Akt der kollektiven Solidarität stellten sich seine MitschülerInnen den Polizeiautos mit ihren Körpern in den Weg. Der darauf folgende brutale Polizeieinsatz sorgte bundesweit für Entsetzen. Das Ergebnis des Widerstands: Asefs Asylverfahren wird nun neu aufgerollt: Wegen der veränderten Sicherheitslage in Afghanistan, Asefs Zugehörigkeit zu der schiitischen Minderheit der Hazara, die von den Taliban verfolgt wird und wegen „seines besonderen Risikoprofils aufgrund seines Bekanntheitsgrades“.

Auch die 14-jährige Bivsi aus Duisburg sollte eigentlich für immer nach Nepal geschickt werden – in ein Land, das sie nur aus dem Urlaub kennt. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und wurde ebenfalls Ende Mai aus der Schule abgeholt, um sie direkt nach Nepal abzuschieben, was auch geschah. Doch zwei Wochen später: 1000 SchülerInnen in Duisburg auf der Straße  und eine bundesweite Debatte über Abschiebungen aus Schulen. Im Perspektive-Online – Interview hatte ihr Bruder die Abschiebung als „unmenschlich“ bezeichnet. Auch hier nun der Durchbruch: Bivsi darf im Rahmen eines „Schüleraustausch-Visums“ zurück nach Deutschland.

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ – wie die Faust aufs Auge passt hier der Spruch von Berthold Brecht. Denn in beiden Fällen war die Abschiebung zwar „rechtmäßig“, doch hat dies die MitschülerInnen, Freunde und viele weitere solidarische Menschen nicht davon abgehalten, auf vielfältige Art und Weise zu protestieren: von Petitionen über Schulversammlungen hin zu ganz konkreten Blockade-Aktionen der Abschiebungen selbst. Hier hat nicht der Pass oder das Asylverfahren interessiert. Für die MitstreiterInnen stand im Vordergrund, dass Asef und Bivsi genauso Menschen waren wie sie selbst, die ebenso wie sie selbst ein Recht auf ein Leben in Unversehrtheit und Würde haben.

Der unüberhörbare Druck hat dazu geführt, dass die Behörden nun „kreativ“ geworden sind und sich etwas haben einfallen lassen. Der Widerstandsgeist aus Nürnberg wurde nach Duisburg weiter getragen und hatte Erfolg. Wir sollten diese Siege als Kraft-Quelle für kommende Aktionen nehmen – denn von solchen Fällen werden wir in Zukunft voraussichtlich noch weitere zu erwarten haben.