Biswash Rana, der Bruder der abgeschobenen 15-jährigen Duisburger Schülerin Bivsi Rana im Perspektive Online-Interview.

Der Abschiebefall der Familie Rana aus Duisburg nach Nepal hat hierzulande für viel Aufsehen gesorgt. Die 15-jährige Tochter Bivsi Rana wurde aus dem Unterricht eines Duisburger Gymnasiums geholt und innerhalb kürzester Zeit des Landes verwiesen. Perspektive Online berichtete bereits über die Hintergründe der Abschiebung und die Proteste ihrer MitschülerInnen und Elternschaft für die Rückkehr der Familie. (Link)

Nun meldet sich auch der Bruder von Bivsi in einem Interview mit Perspektive Online zu Wort.

Der 21-jährige Bruder studiert in der Nähe von Osnabrück und hat aufgrund seines Studiums ein Visum und somit eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Zu der Zeit der Abschiebung war er selber nicht vor Ort.

 

Wie geht es deiner Familie jetzt?

Also, ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie es meiner Familie geht, weil meine Familie eine Welt hier hat. Sie wurde abgeschoben und kann jetzt nicht neu anfangen. Wenn man 20 Jahre hier verbracht hat und dann auf einmal dieses Land verlassen muss, dann ist das natürlich unmenschlich und sehr schwierig für meine Familie.

Was war der Grund für die Abschiebung deiner Familie?

Also, sie meinten, dass vor fast 20 Jahren mein Vater einen falschen Namen angegeben hatte. Damals hat er das aber aus Angst gemacht. Später wollte er es sogar selber korrigieren. Nur aus diesem Grund sollten sie nach Nepal abgeschoben werden. Das hätten wir niemals erwartet.

Bivsis Name geht in vielen Medien um und viele Menschen sind von ihrem Schicksal betroffen. Kannst du kurz etwas zu ihrer Situation erzählen?

Ich verstehe nicht, warum sie mit der Zukunft meiner Schwester gespielt haben. Jetzt kann sie nicht neu anfangen in Nepal, weil sie schon 15 Jahre alt ist und nichts Neues machen kann. Sie kann die Sprache kaum und nicht mit den Leuten umgehen. Die Schulen und das Bildungssystem in Nepal sind ganz anders. Man kann sie nicht vergleichen mit hier. Also es gibt viele Schwierigkeiten für meine Schwester und es war nicht richtig und unmenschlich.

Was sagst du zu der Abschiebung und zu der Politik bzw. den PolitikerInnen in Duisburg?

Also, ich weiß nicht genau, was ich sagen soll. Was passiert ist, ist schon passiert. Aber ich glaube, dass sie etwas falsch gemacht haben. Etwas stimmt nicht, weil es gibt viele Leute, die hier bleiben dürfen und warum nicht auch meine Eltern? Meine Schwester ist hier geboren. Sie geht hier zur Schule auf ein Gymnasium und ist in der 9. Klasse. Sie war gut in Deutsch. Meine Eltern haben auch keine Hilfe vom Staat bekommen, auch kein Sozialgeld. Sie waren selbstständig und haben alles selber gemacht. Mein Vater hat gearbeitet und Steuern bezahlt, er halt also alles richtig gemacht. Und wieso dürfen solche Leute nicht hier bleiben? Wer soll sonst hier bleiben dürfen?

Sören Link (Oberbürgermeister von Duisburg, SPD) sprach vor den demonstrierenden SchülerInnen und Eltern, die sich vor dem Duisburger Rathaus am Montag (12.06.17) versammelt hatten von freundlichen Mitarbeitern der Stadt, die deine Familie bei der Abschiebung gut behandelt hätten. Er sagte zudem, sie hätten alles dafür getan, dass es der Familie gut ginge. Kannst du das bestätigen?

Nein, sie waren 12 Leute und haben meine Eltern nicht gut behandelt. Sie haben meine Eltern wie Kriminelle behandelt und meine Schwester auch. Sie war ohne Information im Unterricht und sie (die Abschiebebehörde) kamen dann dorthin und meine Schwester hat geweint. Sie haben ihr und meinen Eltern gar keine Zeit gegeben und das finde ich traurig. So wurden sie behandelt, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Das war unmenschlich, das war unhöflich und nicht das, was wir erwartet hätten.