Die faschistische „Prepper“-Organisation „Nordkreuz“ hat sich ganz konkret auf den Tag einer faschistischen Machtübernahme vorbereitet – und darauf, MigrantInnen, PolitikerInnen und Linke zu erschießen. Dafür sollen sie auch eine Bestellung für 200 Leichensäcke und Ätzkalk vorbereitet haben.

Eine entsprechende handgeschriebene dreiseitige Material-Liste der FaschistInnen – inklusive Bestelladressen, Kontakten und Wohnungsbeziehungen – soll der Bundestag vom Inlandsnachrichtendienst vor wenigen Wochen erhalten haben. Anlass war ein Antrag der Bundesanwaltschaft auf erweiterte Überwachungsmaßnahmen gegen die faschistische Gruppe „Nordkreuz“.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit August 2017 gegen Mitglieder dieses Netzwerkes wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat.

Faschistische „Prepper“ von Nordkreuz

Die faschistische Organisation „Nordkeuz“ setzt sich aus Elitepolizisten des Spezialeinsatzkommandos (SEK), Mitarbeitern des Landeskriminalamtes (LKA) Mecklenburg-Vorpommern, Anwälten und Soldaten zusammen.

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von so genannten „Vorbereitern“ (eng. „Prepper“) im Nordosten Deutschlands. 30 Gleichgesinnte sollen der Gruppe angehören.

Laut dem Zeugen Axel M. verkehrten zwei der Hauptangeklagten, der Anwalt Jan Hendrik H. und der Kriminaloberkommissar Haik J. mit dem österreichischen Faschisten Walter K. Eichelburg.

Dieser verlautbart, dass man sich auf einen Bürgerkrieg vorbereiten müsse, gegen eine „Muselrevolte“. Muslime müsse man kreuzigen oder pfählen. „Man kann gleich noch einige rote und grüne Politiker und Bürokraten dazu mischen, damit alle sehen, dass sie auch zu den Feinden gehören und was mit ihnen passiert, wenn sie sich nicht freiwillig ergeben.“

Das Netzwerk „Nordkreuz“ war durch Ermittlungen gegen den faschistischen Bundeswehr-Offizier Franco A. bekannt geworden. Innerhalb des Netzwerks finden sich mehrere AfD-Mitglieder.

Das Netzwerk des rechten Terrors

Rechte im Reservistenverband

Alle Mitglieder von Nordkreuz eint, dass sie gemeinsam  im Reservistenverband der Bundeswehr organisiert waren. Der Reservistenverband versammelt ehemalige Soldaten und Unterstützer der Bundeswehr. Zusammen nehmen sie an militärischen, sportlichen oder musikalischen Unternehmungen teil. Teilweise kommen Reservisten auch im Rahmen von Bundeswehraktivitäten zum Einsatz, etwa zur Absicherung von militärischen Liegenschaften. In dessen Führungsgremien sind auch BND-Geheimdienstler aktiv.

Alle Mitglieder von „Nordkreuz“ haben dementspechend Zugang zu Waffen, verfügen über zehntausende Schuss Munition und sind geübte Schützen. Erst vor kurzem war bekannt geworden, dass drei aktive und ein ehemaliger Beamter der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern tausende Schuss Munition aus den Beständen des Landeskriminalamts (LKA) entwendet haben sollen.

Todesliste gefunden

Schon im September 2017 war eine „Todesliste“ mit Namen von mehreren tausend politischen Gegnern gefunden worden. Darunter befinden sich auch Steckbriefe mit Name, Adresse und Fotos von linken Landes-, Kommunal- und Bundespolitikern. Es sollen jedoch auch VertreterInnen von CDU, FDP und den Grünen vermerkt sein.

Einige Informationen sind nicht aus öffentlichen Quellen einsehbar und sollen aus einer offiziellen Meldedatei stammen, auf die ein hochrangiger Polizist, der unter Terrorverdacht steht, Zugriff hatte.

Die Vorbereitung zur Ermordung der politischen GegnerInnen gingen offenbar so weit, auch Leichensäcke und Ätzkalk zu besorgen.

Rechte Terrorzellen und der Staat – keine neue Verbindung

Rechte Schläferzellen, die von Staatsdienern geführt werden, sind keine neue Erscheinung. Bereits in den 50er Jahren baute die NATO mittels des amerikanischen und britischen Geheimdienstes eine Organisation faschistischer Kader auf, die bereit waren, im Falle eines Angriffs durch die Sowjetunion auf Westdeutschland hinter den feindlichen Linien Anschläge zu verüben und führende Personen zu liquidieren.

Rechter Terror als Konstante

In den Siebzigern übten Neonazi-Organisationen wie die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ den Kampf gegen KommunistInnen und MigrantInnen und verantworteten dann auch mit allergrößter Wahrscheinlichkeit den bis dahin schwersten Anschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte auf das „Oktoberfest“ in München im Jahr 1980, das mit militärischem Sprengstoff durchgeführt wurde.

Das Besondere an den hier aufgedeckten Organisationen ist, dass die Organisationen nicht aus „zivilen“ Faschisten bestanden, sondern die wesentlichem Anführer und auch Mitglieder selbst Teile des Staatsapparats waren oder sind: hohe Offiziere und Polizeibeamte. Auch die Eliteeinheit der Bundeswehr – das „KSK“ (Kommando Spezialkräfte) – hat in letzter Zeit von sich Schlagzeilen gemacht, da wichtige Abteilungen durch Faschisten geführt worden sein sollen.