Im Internet und in der Gerüchteküche des Privaten geistern viele Mythen und Fake News in Bezug auf das neue Corona-Virus Sars-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19. Auch die Medien und die Politik spielen mit den Zahlen, um Panik zu schüren und um die Beschneidung unserer Rechte zu rechtfertigen. – Auf Grundlage der Zahlen des „European Centre for Disease Prevention and Control” (ECDC), des Robert-Koch-Instituts, der Johns Hopkins University, der Tagesschau und den Recherchen von „Quarks“ beantwortet Autor Pa Shan einige häufige Fragen.

Was sind die wichtigsten Zahlen?

Bestätigte Infektionen weltweit: 597.304; Aktuell Infizierte weltweit: 438.232; Tote weltweit: 27.364; Genesene Patienten weltweit: 131.708. https://www.tagesschau.de/ausland/coronavirus-karte-101.html

Gibt es Schwierigkeiten mit diesen Zahlen?

Die Zahlen ändern sich täglich rasant, sodass sie bereits bei ihrer Veröffentlichung veraltet sein können. Aber das ist nicht das zentrale Problem bei der Einschätzung des Virus.

Wichtiger ist, was mit den Zahlen gemacht wird und wie es gemacht wird. Denn die Zahlen rechtfertigen allerhand Maßnahmen, die unsere Gesundheit betreffen und unsere Rechte beschneiden, was sonst undenkbar wäre.

Die jeweiligen Länder verwenden verschiedene Eigenschaften und Methoden, um Infektionen mit dem Virus zu entdecken. Die bisherigen Tests sind nicht optimal auf das Sars-CoV-2-Virus eingestellt und identifizieren teilweise auch andere Corona-Viren. Außerdem wurde in den meisten Ländern nicht flächendeckend getestet. Daher gibt es im Grunde keine einheitliche und eindeutige Statistik mit gleichen Maßstäben.

Die Dunkelziffer der weltweit Infizierten wird weit höher geschätzt als es die offiziellen Zahlen wiedergeben, während die Zahl der an Covid-19 Gestorbenen weit geringer sein könnte. Denn in die Todesstatistik von Covid-19-Infizierten gehen oft Fälle ein, in denen die Todesursache möglicherweise nicht das Virus selbst, sondern eine anderer Art war. Typischerweise sind die verstorbenen Covid-19-Infizierten in sehr hohem Alter verstorben, oft am Rande der ländertypischen Lebenserwartung.

Die Zahlen bedeuten also nicht, dass tatsächlich so viele Menschen, wie oben angegeben, an dem neuen Corona-Virus verstorben sind. Es sind nur so viele Menschen gestorben, die gleichzeitig das neue Corona-Virus in sich trugen.

Da es über die Todesursachen noch keine Klarheit gibt und die bestehenden Statistiken ebenso wenig wie die Autopsien ausreichend ausgewertet wurden, kann man dazu also nicht viel Genaueres sagen.

Wie gefährlich ist das Virus?

Auf Quarks.de wird die Sache ganz nüchtern dargestellt:

Bei uns hat ein Großteil der Erkrankten (etwa 80 Prozent) lediglich milde Erkältungssymptome – oder gar keine. Bei 20 Prozent aber verläuft die Krankheit schwer, zehn Prozent haben einen kritischen und besonders lebensgefährlichen Verlauf. Die besondere Risikogruppe sind ältere Patienten und Menschen mit Vorerkrankungen.

Bei Männern treten im Schnitt häufiger Infektionen mit Covid-19 auf, ebenso verläuft die Krankheit hier häufiger schwerwiegender und tödlicher.

So hatte ein großer Teil der Verstorbenen bereits ein angeschlagenes Immunsystem oder war sehr alt – oder beides. Das heißt, je älter der Patient, desto größer das Risiko. Aber auch junge Menschen könnten bei bestimmten Vorerkrankungen in Folge dieser Virusinfektion sterben.“

Das Virus scheint weit weniger gefährlich zu sein, als es deutsche PolitikerInnen und JournalistInnen nahelegen. Die Todesfälle der Grippewelle 2017/2018 haben bis vor zwei Tagen allein in Deutschland die weltweite Todesziffer des neuen Corona-Virus übertroffen. Damals sind in Deutschland 25.100 Menschen an der Grippe gestorben. Weltweit sind aber „nur“ 27.364 Menschen mit Covid-19 gestorben. Unklar ist, ob auch so viele an dem Virus selbst verstorben sind. Die Gesamtsterblichkeit liegt bisher in Deutschland auch nicht über der üblichen Rate bis April. 

Dennoch ist das Virus keineswegs harmlos. Über Jahre verteilt könnte es weit mehr Menschen treffen, als es jetzt noch absehbar ist. „Die Grippe-Pandemie von 1968 beispielsweise hatte eine Sterblichkeit von weit unter einem halben Prozent, tötete aber trotzdem etwa eine bis vier Millionen Menschen weltweit.“

Wer gehört zur Risikogruppe?

  • Ältere Personen (ab 50 Jahre)

  • Raucher

  • Menschen mit Vorerkrankung des Herzens (z.B. koronare Herzerkrankung)

  • Menschen mit Vorerkrankung der Lunge (z.B Asthma, chronische Bronchitis)

  • Menschen mit chronischer Lebererkrankung

  • Menschen mit Diabetes mellitus (wegen Begleiterkrankungen)

  • Krebskranke

  • Menschen mit unterdrücktem oder schwachem Immunsystem (Menschen mit Einnahme immunschwächender Medikamente wie Cortison, HIV- Patienten ohne Therapie)

Wie viele Menschen haben sich bisher mit dem neuen Corona-Virus  angesteckt?

Dem „European Centre for Disease Prevention and Control” (ECDC) zufolge gab es weltweit bereits 528.025 Menschen, die sich bis zum 27. März 2020 mit dem Sars-CoV-2 infiziert haben. 

Das ECDC und das staatliche Robert-Koch-Institut sprechen von 42.288 Infizierten in Deutschland bis zum 27. März 2020 um 00:00 Uhr. 

Wie viele Menschen sind verstorben?

Die Anzahl der Menschen, die an Covid-19 verstorben sind, ist sowohl weltweit als auch in Deutschland unbekannt. Dem ECDC zufolge sind weltweit bisher 23.672 Menschen mit Covid-19 verstorben. Einen Tag zuvor waren es noch 20.947 Menschen. In Deutschland sind dem ECDC und dem Gesundheitsministerium zufolge bis zum 27. März 253 Menschen mit Covid-19 verstorben. Einen Tag zuvor waren es noch 198. Allerdings spricht die Tagesschau von bereits 351 Verstorbenen bis zum Morgen des 28. März.

Gegenwärtig führt Italien die traurige Statistik mit 9.134 Verstorbenen an, gefolgt von Spanien mit 5.138 Toten, China mit 3.299, Iran mit 2.378 und Frankreich mit 1.997, dicht gefolgt von den USA mit 1.706 verstorbenen Covid-19-Infizierten.

Wie viele Menschen mit Covid-19 sind bisher genesen?

Von den 597.304 weltweit Infizierten sollen bis zum 26. März bisher 119.978 wieder genesen sein, am 27. März waren es bereits 131.708, so die Tagesschau. Demnach sind von Freitag auf Samstag weit mehr Menschen wieder genesen als im selben Zeitraum am Virus gestorben sind.

Von den ca. 42.288 Infizierten in Deutschland sollen laut Tagesschau bis zum 28. März 6.658 Menschen wieder genesen sein. Am Tag zuvor waren es knapp tausend Menschen weniger. Die Genesung geht damit momentan schneller voran als die Todesfälle in Deutschland ansteigen.

Was können wir tun, um das neue Corona-Virus am besten zu bekämpfen?

Dem staatlichen Robert-Koch-Institut zufolge können die Menschen in Deutschland bestimmte hygienische Maßnahmen treffen und „Social Distancing“ betreiben, um Covid-19 zu bekämpfen:  Im Prinzip kann man sich diesem Maßnahmenpaket anschließen. Das Problem daran ist, dass diese Maßnahmen nur das Virus, keineswegs aber seine sozialen, politischen und ökonomischen Nebenwirkungen bekämpfen.

Was kann der Staat tun, um die fatalen Nebenwirkungen des Virus zu bekämpfen?

In den Medien erscheint es so, als ob mit den oben genannten Maßnahmen der Kern der Sache angegangen werde: Die Ausbreitung des Virus.

Aber der Schein trügt. Denn wenn wir uns auf diesen Maßnahmenkatalog konsequent einlassen, werden die eigentlichen Ursachen der Corona-Krise noch lange nicht beseitigt. Weitergehende Maßnahmen sind notwendig, die das kaputt gesparte Gesundheitssystem wieder aufrichten, die den Betrieb der Konzerne für die Dauer der Virus-Ausbreitung konsequent stoppen, die die Grundversorgung der Bevölkerung garantieren und unsere Rechte nicht beschneiden.

Das „Solidaritätsnetzwerk“ hat 12 grundsätzliche Forderungen aufgestellt, die umgehend umgesetzt werden müssen, um katastrophale Folgeschäden für die lohnabhängige Bevölkerung zu verhindern. Die 12 Forderungen lassen sich auf der Homepage des Solidaritätsnetzwerks finden. 

Was können wir tun, um unsere Interessen gegen den Staat und die Konzerne zu verteidigen?

Perspektive Online hat bereits etliche Artikel zur Corona-Krise veröffentlicht. Viele der Artikel nennen Maßnahmen, die wir treffen können, um auch in der Corona-Krise nicht der staatlichen und kapitalistischen Willkür ausgeliefert zu sein:

Wir können entgegen der Panikmache die richtigen Fragen stellen, das Gerede der PolitikerInnen als Täuschungsmanöver entlarven,  die Beschneidung unserer Rechte als Angriff von oben aufdecken, die Reaktionen von Betrieben und Universitäten hinterfragen. Wir können Kontaktverbote und Ausgangssperren umgehen, wo es sinnvoll ist, den Schwächsten in der Gesellschaft helfen , die Unmengen an Geldern für Kapitalisten mit dem Abbau der Grundversorgung der Bevölkerung kontrastieren und direkte Nachbarschaftshilfe organisieren. 


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