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Sonntag, April 14, 2024
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    Krankenkassen: Beiträge steigen im neuen Jahr

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    Für viele Millionen Arbeiter:innen wird die Krankenkasse im nächsten Jahr teurer. Denn einige der größten Kassen erhöhen ihre Zusatzbeiträge. Der Grund hierfür seien nicht Mehrkosten durch Corona, sondern „teure Gesetze“ des Bundesgesundheitsministeriums. Für die kommenden Jahre rechnen die Kassenchefs mit weiteren Erhöhungen.

    Die Krankenkassenbeiträge für viele Millionen Arbeiter:innen werden im nächsten Jahr kräftig ansteigen. Wie das Handelsblatt berichtet erhöht die Techniker Krankenkasse (TK) ab dem 1. Januar den Zusatzbeitrag für ihre Versicherten von 0,7 auf 1,2 Prozent des Einkommens. Der Zusatzbeitrag wird von den Krankenkassen individuell festgelegt und zusätzlich zum allgemeinen Krankenversicherungssatz von 14,6 Prozent des Bruttolohns erhoben. Seit 2019 tragen Unternehmen und Beschäftigte diesen Beitrag jeweils zur Hälfte. Im Falle der TK bedeutet die Erhöhung, dass der Beitragsanteil für Arbeiter:innen je nach Höhe des Lohns um bis zu 145 Euro im Jahr teurer werden kann.

    Auch andere Krankenkassen erhöhen die Zusatzbeiträge in 2021, so etwa die IKK classic (plus 0,3 Punkte auf 1,3 Prozent), die AOK Baden-Württemberg (plus 0,2 Punkte auf 1,1 Prozent), die AOK Niedersachsen (plus 0,5 Punkte auf 1,3 Prozent) und die AOK Plus in Sachsen und Thüringen, die ihren Beitrag von 0,6 auf 1,2 Prozent sogar verdoppelt. Die Barmer, die als zweitgrößte Krankenkasse nach der TK neun Millionen Versicherte zählt, hat noch keine Entscheidung über eine Beitragserhöhung mitgeteilt. Andere Kassen verzichten auf eine Erhöhung, wie z.B. die DAK, die jedoch schon jetzt 1,5 Prozent kassiert.

    Für die steigenden Beiträge machen die Krankenkassen „teure Gesetze“ des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) verantwortlich. Hierzu zählen das „Pflegepersonalstärkungsgesetz“ ebenso wie finanzielle Anreize für Ärzt:innen, an Kassenpatient:innen schneller Termine zu vergeben. Auf die Corona-Pandemie seien die Beitragserhöhungen dagegen weniger zurückzuführen.

    Für die Zukunft rechnen die Vorstände der Krankenkassen mit weiteren satten Beitragssteigerungen. TK-Chef Jens Baas sieht für 2022 „ein hartes Jahr für Kassen und Mitglieder“ und hält sogar eine „Verdoppelung des Zusatzbeitrags“ für möglich. Frank Hippler von der IKK classic erwartet ebenfalls „eine massive Aufwärtsbewegung bei den Beitragssätzen“. Der Grund: Für das kommende Jahr stellt die Bundesregierung Steuermittel in Höhe von fünf Milliarden Euro bereit, um finanzielle Löcher in der gesetzlichen Krankenversicherung teilweise zu stopfen. Diese werden auf insgesamt ca. 16 Milliarden Euro geschätzt.

    Krankenkassen: Anstieg der Zusatzbeiträge droht

    Im Gegenzug mussten sich die Krankenkassen bereit erklären, selbst 8 Milliarden Euro aus ihren Rücklagen zu nehmen, um Defizite auszugleichen. Der Staat hat die Erhöhungen der Zusatzbeiträge in 2021 also mit Steuergeld abgefedert – sonst wären sie noch üppiger ausgefallen. Ob eine neue Regierung dieses Manöver nach der Bundestagswahl 2021 wiederholen wird, ist fraglich. Zumal die Reserven der Krankenkassen früher oder später zur Neige gehen werden.

    Neben Steuerzuschüssen und Beitragserhöhungen könnten in Zukunft auch Sparprogramme bei den Krankenkassen drohen. In allen drei Fällen ginge die Rechnung am Ende auf Kosten der Arbeiter:innen. Die einzige Alternative dazu dürfte sein, gezielt Unternehmen für die Finanzierung der Löcher im Gesundheitswesen heranzuziehen.

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