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Mittwoch, April 17, 2024
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    Weltwirtschaft: Kommt jetzt der Crash?

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    Die Bankencrashs der letzten Wochen zeigen, dass der Weltkapitalismus in die nächste Krise schlittert. In Deutschland trifft diese Krise auf eine Wirtschaft, die sich nur mangelhaft von der letzten erholt hat. Arbeiter:innen sind zugleich weiter mit extrem hohen Preisen konfrontiert. – Ein Kommentar von Thomas Stark

    Die Silicon Valley Bank (SVB) war eine der zwanzig größten Banken der USA und spezialisiert auf das Geschäft mit High-Tech-Unternehmen und digitalen Start-ups. Diese erlebten während der Corona-Pandemie, als bedeutende Teile der Weltwirtschaft ins Home Office gingen und die Nachfrage nach virtuellen Tools explodierte, ihren Boom. Zusätzlich wurde dieser durch historisch niedrige Zinsen beflügelt: Diese hatten die Notenbanken der kapitalistischen Länder zur Stützung der eigenen Unternehmen in der Krise eingeführt.

    Überkapazitäten in der Tech-Wirtschaft

    Anfang 2023 zeigte sich immer deutlicher, dass die Tech-Industrie in den letzten Jahren massive Überkapazitäten aufgebaut hatte: Firmen wie Zoom, Facebook, Google und Microsoft bauten zehntausende Stellen ab. Zugleich erhöhten die Notenbanken als Antwort auf die grassierenden Preissteigerungen in kurzer Zeit massiv die Zinsen. Die amerikanische Fed etwa hob den Leitzins zwischen März und Dezember 2022 von 0,25 auf 4,5 Prozent an — so hoch war er zuletzt vor der Weltwirtschaftskrise 2007/08. Mittlerweile liegt er bei 5,25%.

    Tech-Konzerne: Massenentlassungen gehen weiter

    Diese Maßnahme sorgte wiederum für stark fallende Kurse von Wertpapieren, die in der Finanzwelt als Sicherheiten für Kredite oder im Fall der SVB als sichere Geldanlageobjekte genutzt werden. Diese Gemengelage führte dazu, dass zahlreiche Firmen ihr Geld von der Silicon Valley Bank abzogen — was wiederum den Crash der Bank am 9. März hervorrief.

    Kurz nach dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank geriet auch die Schweizer Credit Suisse ins Straucheln — immerhin eine der fünfzig größten Banken der Welt — und wurde per Verfügung des Schweizer Staats von der Konkurrentin UBS übernommen. Am 24. März kam es außerdem zum Ausverkauf von Aktien der Deutschen Bank und einem massiven Kursverfall. Am 1. Mai ging dann die First Republic Bank in den USA pleite. Es war der größte Konkurs einer Einzelbank in der US-Geschichte.

    Bankenkrise: Zweitgrößte Pleite einer Einzelbank in der amerikanischen Geschichte – weitere Banken brechen ein

    Krisenpunkt Immobilienmarkt

    Obwohl Politiker:innen und Notenbanker:innen immer wieder behaupten, es gäbe keine Bankenkrise und die Lage sei völlig im Griff, zeichnen sich bereits die nächsten Krisenherde ab: Im Fokus stehen dabei besonders die Immobilienmärkte und kleine und mittlere regionale Banken.

    In Deutschland droht vielen Privatpersonen, die Häuser oder Wohnungen auf Kredit gekauft haben, die steigenden Zinsen nicht mehr bezahlen zu können. In diesem Fall könnten auch viele Sparkassen unter Druck geraten, die ihr Geschäft zu über 40% mit privaten Immobilienkrediten machen.

    Beginn einer Überproduktionskrise

    Allen Beschwichtigungen zum Trotz zeigt die Lage des Weltkapitalismus gerade die typischen Anzeichen einer Überproduktionskrise, die häufig als erstes auf den Finanzmärkten sichtbar werden: Die Zinsen schießen nach oben, Geld und Kredite werden knapp. Die Bankkund:innen versuchen verzweifelt, ihr Geld abzuziehen und bringen damit Banken zum Zusammenbruch. An den Börsen gibt es Kursrutsche und Milliardenverluste.

    Dem zugrunde liegt die immer wiederkehrende Gesetzmäßigkeit, dass kapitalistische Firmen mehr Waren produzieren, als zahlungsfähige Nachfrage vorhanden ist — wie etwa bei Digitalprodukten und Immobilien. Die Möglichkeit, mit billigen Zinsen auf Pump zu kaufen, kaschiert dieses Missverhältnis zwischen Produktion und Konsumptionskraft einer Gesellschaft für eine gewisse Zeit. Sobald jedoch immer mehr Verkäufer:innen echtes Geld für ihre Waren verlangen, bricht das Kreditkartenhaus in sich zusammen.

    Deutschland gerät damit von einer Phase schwankender Stagnation nach der letzten Krise direkt in die nächste Krise. Dabei hatte die Industrieproduktion das Vorkrisenniveau von 2018/19 noch nicht wieder erreicht. Die Warenpreise, die in Krisen eigentlich fallen müssten, sind infolge des Ukraine-Kriegs und unterbrochener Lieferketten weiter auf Rekordniveau. Damit könnte diese Krise für Arbeiter:innen wieder besonders teuer werden.

    Wie die aktuelle Bankenkrise vier Lebenslügen des Kapitalismus widerlegt

    • Perspektive-Autor seit 2017. Schreibt vorwiegend über ökonomische und geopolitische Fragen. Lebt und arbeitet in Köln.

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