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Samstag, Februar 24, 2024
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    Reallohnverlust in neuem Stahl-Tarifvertrag erwartet

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    Letzte Woche verabschiedete die IG Metall für die Region Nordwest und Ost einen neuen Stahl-Tarifvertrag. Vorausgegangen waren eine Handvoll Warnstreiks. Was auf dem Papier nach steigenden Löhnen aussieht, entpuppt sich eigentlich als dickes Minus.

    Seit November verhandeln die Gewerkschaftsbosse der IG-Metall Eisen- und Stahlkommission mit den Stahlkonzernen aus Nordwest- und Ostdeutschland. Ab dem 30. November war die Friedenspflicht aufgehoben. Deswegen wurde im Dezember zur Unterstützung der Verhandlungen gestreikt.

    Ergebnis der Tarifverhandlungen

    In der 5. Verhandlungsrunde jetzt das Endergebnis: Im Januar 2024 erhalten die Arbeiter:innen eine Einmalzahlung von 1.500 Euro, die Azubis dagegen nur 1.000 Euro. Im November 2024 dann noch einmal 1.500 Euro für die Fest-Angestellten und 800 Euro für die Azubis.

    Ab Januar 2025 soll dann auch der Lohn um 5,5% steigen. Die wichtigte Forderung der IG Metall war die Herabsenkung der Arbeitszeit pro Woche bei vollem Lohnausgleich. Für einzelne Arbeiter:innen haben sie nun eine Herabsenkung herausgeschlagen: ohne Ausgleich. Lediglich Arbeiter:innen über 60 Jahre bekommen einen Teil erstattet, wenn sie auf 33,7 Stunden herunter gehen.

    Allerdings haben die Stahlmonopole jetzt auch ganz regulär die Möglichkeit, eigenhändig die Arbeitszeit der Arbeiter:innen in krisenbelasteten Zeiten zu senken. Dies ist vor allem möglich, wenn die sogenannte „Sicherung der Beschäftigung“ gefährdet ist. Dafür gibt es dann auch ein Drittel oder eine Hälfte des Lohns als Ausgleich.

    Der gesamte Tarifvertrag läuft bis Ende September 2025. Das sind vom Ende der Friedenspflicht dieses Jahr an 22 Monate, in der es keinen legalen Rahmen für Arbeitskämpfe gibt und in denen die Inflation an den Löhnen nagen wird.

    Reallohnverlust zu erwarten

    Auf den ersten Blick steigt die Zahl auf dem Lohnschein, und die Einmalzahlungen erhöhen ebenfalls die Bankkontozahlen. Allerdings gibt es ein großes Problem: Die letzten Tarifabschlüsse der IG Metall für Eisen und Stahl waren so schlecht, dass diese Erhöhung nicht einmal die vergangenen Rückstände der sinkenden Kaufkraft einholen kann.

    Seit 2019 gab es mit dem jetzigen insgesamt vier Tarifverträge. Seit 2019 haben die Inflation und die Teuerungen über 20% der Kaufkraft der Arbeiter:innenklasse in Deutschland gefressen. Die Abschlüsse im März 2019 waren eine Lohnerhöhung von 3,7%, während bis zur nächsten Lohnerhöhung im Januar 2022 die Preise um circa 6,5 Prozent gestiegensein werden. Gleichzeitig kam das jährliche Tarifzusatzentgelt  von 1.000 Euro hinzu, das eine regelmäßige Lohnerhöhung von circa 1,7% bei einem durchschnittlichen Lohn ausmacht. Das sind 1,1% weniger Lohn insgesamt als zuvor. Die damaligen Einmalzahlungen von 200 Euro insgesamt sind schon heute nur noch 160 Euro wert, in Kaufkraft umgerechnet.

    In der Tarifrunde vom Februar 2021 wurde dann festgelegt, dass es nur Einmalzahlungen und das Tarifzusatzentgelt von 500 Euro für die Arbeiter:innen geben wird, was einer Lohnerhöhung von in etwa 0,8% entspricht. Außerhalb davon gab es noch Einmalzahlungen und keine weitere Lohnerhöhung. Dies kann aber auch von den Unternehmen ausgesetzt werden, wenn die Krise zuschlägt. Bis zur nächsten Lohnerhöhung im August 2022 gab es eine Preiserhöhung von 7%. Das Tarifzusatzentgelt mit einberechnet, entspricht das einer Lohnsenkung von insgesamt 7,3% bis hierhin.

    Im vorletzten Tarifvertrag von 2022 wurden dann wieder die Löhne „tabellenwirksam“ ab August um 6,5% angehoben. Auch das Tarifzusatzentgelt II wird ab Januar 2023 hier angehoben werden und erhöht den Lohn um circa 0,2%. Bis zur nächsten Lohnerhöhung im Januar 2025 gibt es aber voraussichtlich 12% Preissteigerung. Das bildet dann einen Unterschied von 5,3% Lohn. Insgesamt hat sich dann vom März 2019 bis zum Januar 2025 eine Reallohnsenkung von 12,6% durchgesetzt.

    Mit der jetzigen Tarifrunde hat die IG Metall also keine echte Lohnerhöhung ausgehandelt – sondern den Schaden der letzten sechs Jahre lediglich etwas minimiert. Die 5,5% ab Januar 2025 reichen bei weitem nicht aus, um die zukünftigen 12,6% Reallohnsenkung zu bekämpfen. Und da sind noch nicht einmal die zu erwartenden Preissteigerungen ab Januar 2025 mit einberechnet.

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