Ein Kommentar zum 1.Mai von Yusuf Özkan

In Deutschland arbeiten die meisten ArbeiterInnen acht Stunden am Tag. Bei der Produktivität, welche sie an den Tag legen, wäre ein Arbeitstag von sechs Stunden allerdings mehr als realistisch. Vor allem, wenn die Digitalisierung immer mehr voranschreitet. Statt die Reichen immer reicher zu machen, sollte es verkürzte Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich geben.

Vor 100 Jahren wurde der achtstündige Arbeitstag von ArbeiterInnen erkämpft. Seither arbeiten die Menschenweiterhin acht Stunden am Tag, obwohl die Produktivität zugenommen hat. Während damals die Produktion in kleinen Produktionsstätten stattfand und viel Handarbeit geleistet werden musste, wird heute mit modernsten Maschinen und Fließbandtechnik eine deutlich höhere Effektivität erzielt. Allein seit 1991 hat sie sich pro Erwerbstätigem um rund 20% erhöht.

Angst vor der Digitalisierung?

Studien sprechen davon, dass im Zuge der Digitalisierung Millionen der Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen könnten. Auch wenn man diese Szenarien mit Vorsicht betrachten muss: Die „Industrie 4.0“ und die damit einhergehende „Digitalisierung“ macht aus Sicht der ArbeiterInnen nur Sinn, wenn sie dadurch entlastet werden und die Lohnarbeit nicht mehr zu einem Drittel ihren Alltag bestimmt.

Die Modernisierung und Erleichterungen der Produktionsmittel, wie beispielsweise Maschinen, sollten nicht missbraucht werden, um noch mehr Profite zu erwirtschaften. Im Fokus sollten die Interessen der Werktätigen stehen.

Dass diese Interessen allerdings unsere und nicht die der Kapitalisten sind, sollte sich jeder bewusst machen. Das primäre Interesse der Unternehmer ist eben nicht die Verkürzung der Arbeitszeiten oder gar die Erleichterung der Produktion für die ArbeiterInnen, sondern die Profitmaximierung – egal mit welchen Mitteln. Wenn es mehr Geld einbringt, dass neue Maschinen eingesetzt werden, aber gleichzeitig Menschen so lange wie bisher arbeiten müssen, dann ist das ihrer Ansicht nach eben so.

Deshalb wird im Zuge der Debatte um die Digitalisierung lieber Angst geschürt, ganz viele ArbeiterInnen könnten in Zukunft durch Maschinen ersetzt werden und in Arbeitslosigkeit fallen, als in diesem Zusammenhang darauf einzugehen, dass die ArbeiterInnen es in Zukunft besser haben könnten.

Digitalisierung bietet Chancen!

Was bedeutet es denn eigentlich, wenn die Maschinen uns immer mehr Arbeit abnehmen?

Man möge sich vorstellen, dass jede/r ArbeiterIn durch Abhilfe von Maschinen weniger arbeiten müsste und die verkürzten Arbeitszeiten dann auch noch erleichtert wären. Dann hätte man konkret die Situation, dass sich die Menschen viel besser am sozialen Leben beteiligen könnten. Wahrscheinlich könnten viele mehr ihren Hobbys nachgehen oder sich mit interessanten Fragen auseinandersetzen. Auf längerfristige Zeit wären viele Menschen von Krankheiten nicht mehr betroffen, welche ihnen der schwere Druck auf der Arbeit bringt.

Kürzere Arbeitszeiten sorgen ebenfalls für eine höhere Produktivität. Wie diverse Studien feststellen konnten, hängt die Produktivität eines Landes mit den durchschnittlichen Arbeitsstunden zusammen.

Nur in einem anderen System

Wenn die Maschinen uns Arbeit abnehmen, ist die gleichmäßge Verteilung der restlichen Arbeit nur logisch. Doch das geht im Kapitalismus nur sehr eingeschränkt.

Allein in einer Gesellschaft, die kollektiv die Wirtschaft eines Landes plant, kann die Arbeitszeit radikal reduziert werden und die Arbeit selbst gleichmäßíg verteilt werden.
Nur eine Gesellschaft, die das Privateigentum an den neuen digitalisierten Maschinen und Programmen abschafft, ist in der Lage, mit der Digitalisierung umzugehen. Diese Gesellschaft heißt Sozialismus.

Der Kampf beginnt heute

Doch wir sollten nicht auf die Zukunft warten, sondern sie schon heute versuchen zu erobern. Auch heute steht es wieder an, sich für den Kampf um die Reduzierung der Arbeitszeit zu organisieren, diesmal mit der Fordergung nach dem sofortigen 6-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich.

Dabei können wir uns ein Vorbild an der historischen ArbeiterInnenbewegung nehmen. Vor 100 Jahren setzte diese den 8-Stunden-Tag nach tausenden Streiks und Kämpfen in dutzenden Ländern durch, er wurde ihnen nicht geschenkt. Es ist Zeit, diesen Kampf wieder aufzunehmen!