In der Nacht auf Karfreitag ist es in der nordirischen Stadt Doire zu heftigen Zusammenstößen zwischen Republikanern und Spezialeinheiten der Polizei gekommen. Dabei wurde auch eine Journalistin tödlich getroffen.

Mit dem Karfreitagsabkommen im Jahr 1998 ging der bewaffnete Kampf um die Vereinigung von Nord- und Südirland vorerst zuende. Zuvor hatte es über Jahrzehnte eine Konfrontation irischer Republikaner gegen die britische Besatzung Nordirlands gegeben.

Nun ist es in der Stadt Doire (britisch: „Londonderry“) wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen protestierenden Republikanern und Spezialeinheiten der Nordirischen Polizei gekommen. Auslöser der Proteste sollen Hausdurchsuchungen im Stadtteil Creggan gewesen sein, der nah an der Grenze zu Süd-Irland liegt und hauptsächlich von republikanisch orientierten Menschen bewohnt wird. Ziel war es laut Polizei Waffen einzusammeln, bevor diese bei Zusammenstößen an Ostern eingesetzt werden könnten.

Offenbar provozierte die Polizei damit jedoch genau diese. So versammelten sich schon während der Polizeiaktion Nachbarn und DemonstrantInnen auf der Straße, um gegen die Hausdurchsuchungen zu protestieren. Die Polizei schickte Spezialfahrzeuge, die in der Folge mit Molotowcocktails angegriffen wurden.

News coming in…

News coming in…British Crown forces come under attack in Creggan Derry, LandRover that formed part of the incursion has been disabled

Gepostet von Gaughan Stagg Cumann – 32CSM am Donnerstag, 18. April 2019

Neben einem der Polizeiautos soll auch die Journalistin Lyra McKee gestanden haben. Sie schrieb unter anderem für das Onlineportal BuzzFeedNews, war jedoch zu dem Zeitpunkt nicht beruflich im Einsatz. Laut offizieller Polizeiangaben habe sich ihr ein maskierter Mann genähert und auf sie geschossen. Zu dem Zeitpunkt waren bereits schwer bewaffnete Spezialeinheiten der nordirischen Polizei im Einsatz.

Polizei macht „New IRA“ für den Tod verantwortlich

Die Polizei spricht von einem „terroristischen Akt“, hinter dem „wahrscheinlich“ die „New IRA“ stehe. Die New IRA entstand aus einem Zusammenschluss von verschiedenen irisch-republikanischen Organisationen im Jahr 2012. Sie geht weiterhin davon aus, dass Nordirland durch Großbritannien besetzt ist und Irland vermittels eines bewaffneten Kampfes wieder vereinigt werden müsse.

In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Sprengstoff-Angriffen auf oder vor staatlichen Institutionen, zu denen sich zum Teil die New IRA bekannte. Sie waren offenbar so organisiert, dass niemand verletzt werden sollte.

Bisher hat sich die New IRA selbst noch nicht zu dem jüngsten Vorfall geäußert. Derweil sprach die republikanische Gruppe „Saoradh“ zum Tod von Lyra McKee ihr Beileid aus: „Dieses Ergebnis ist herzzerreißend und wir möchten der Familie, Freunden und Angehörigen der Verstorbenen unser aufrichtiges Mitgefühl ausdrücken.“

Gleichzeitig stellte sie klar: „Die Streitkräfte der britischen Krone haben im republikanischen Derry eine Unterdrückungskampagne durchgeführt, und die Gemeinde hat anhaltende staatliche Gewalt in der Region ausgehalten, wobei die Vertreter des politischen Establishments in der Region ein ohrenbetäubendes Schweigen fanden. Wir haben immer wieder erklärt, dass diese Unterdrückung unweigerlich auf Widerstand stoßen würde, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Die unvermeidliche Reaktion auf einen solchen Einfall war der Widerstand der Jugend von Creggan. Die Schuld für die letzte Nacht liegt direkt zu Füßen der britischen Krone-Streitkräfte, die nach Schlagzeilen suchten und die Konfrontation mit der Gemeinschaft konstruierten.“

Brexit spitzt die Lage zu

Die aktuellen Verhandlungen rund um den Brexit sorgen für eine angespannte politische Situation in Nordirland. So könnte es bei einem weiterhin drohenden „Chaos-Brexit“ erneut zu einer harten Grenze zwischen Nordirland – das offiziell zu Großbritannien gehört – und der Republik Irland, die weiterhin zur EU gehört, kommen.

Doire war in der Vergangenheit immer ein zentraler Schauplatz der Konflikte in Irland. In dieser Stadt ereignete sich im Januar 1972 der „Bloody Sunday“, der im Nachhinein so genannt wurde, da eine Demonstration für Bürgerrechte und die Unabhängigkeit Irlands von britischen Soldaten mit teils tödlichen Schüssen zerschlagen wurde.