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Donnerstag, Juli 25, 2024
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    Wohnen ist ein Grundbedürfnis, kein Privileg

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    Nach einem langen Arbeitstag, nach einer Partynacht (wenn nicht gerade Corona wär) oder nach dem sonntäglichen Kaffee und Kuchen bei den Eltern – Viele von uns freuen sich dann auf Zuhause. Jedenfalls die, die eine Wohnung haben. – Von Salomon Eiden 

    Es ist ein Ort, an dem wir unser Essen zubereiten, wo wir schlafen, wo unsere Kinder aufwachsen. Diesen Ort brauchen wir alle. Eine Wohnung bietet uns Sicherheit, und diese Sicherheit ist jedem Menschen ein Grundbedürfnis. Ohne die Sicherheit, zu wissen, wo wir wohnen, essen, schlafen oder uns erholen können, ist es nicht möglich, ein auch nur annähernd erfülltes Leben zu führen. Dieses Grundbedürfnis zu befriedigen, sollte für jeden Menschen zugänglich und erschwinglich sein.

    Miethaie und andere große Fische

    Doch private Hausbesitzer oder große Immobilienkonzerne schlagen aus unserem Grundbedürfnis Profit. Sozialwohnungen werden privatisiert, ganze Häuserblocks werden abgerissen, um die dann neu gebauten Wohnungen noch teurer zu verkaufen oder zu vermieten. In den letzten 20 Jahren sind die Mieten zwischen 73 und 110 Prozent gestiegen. Immobillienkonzerne wie „Vonovia“ oder „Deutsche Wohnen“ handeln und spekulieren mit unseren Häusern und Wohnungen. Die Unternehmen fahren jährlich Milliarden Gewinne ein, sie modernisieren und sanieren Wohnungen, um den Preis der Miete immer weiter hoch zu treiben.

    Für die Mieterinnen und Mieter bedeutet das, einen immer größeren Teil ihres Einkommens für die Miete ausgeben zu müssen. In München und Umgebung zahlen wir bis zu 57% unseres Lohns für die Miete. In Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und Köln zahlen wir zwischen 30 und 40 Prozent für unsere Wohnungen. Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnen zur Miete. Ein Großteil davon gibt mehr ein Viertel des Lohns an den/die VermieterIn – nur um ein Dach über dem Kopf zu haben. Deutschlandweit gibt es bei den Mieten zwischen Ost und West kaum einen Unterschied, beachtet man die Reallöhne.

    Proteste gegen Mietenwahnsinn

    Spekulation, Leerstand, Mietpreissteigerung sind ein Problem für alle Mieterinnen und Mieter. Wir werden ausgenommen, um für ein paar Reiche eine maximale Gewinnausschüttung zu gewährleisten. Doch es gibt immer mehr Menschen, die sich dies nicht mehr gefallen lassen wollen. Im letzten Jahr gingen Zehntausende gegen den Mietenwahnsinn auf die Straße.

    In Berlin war ein Ergebnis die Einführung eines Mietendeckels – ein erster Erfolg jahrelanger Kämpfe. Die Mieten wurden eingefroren – doch auf einem viel zu hohen Niveau. Außerdem dürfen sie ab 2022 wieder erhöht werden. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, reicht aber noch nicht.

    Letztendlich wird uns der Mietendeckel nicht eine bessere Mietsituation verschaffen, er wird es den VermieterInnen nur etwas schwerer machen uns auszunehmen, sie werden auf andere Art und Weise Wege finden, uns weiter mehr Geld abzuknöpfen.

    Die Wohnungen und Häuser gehören in kollektive Hand!

    Deshalb müssen wir fordern, dass große Immobillienkonzerne enteignet werden, die Wohnungen und Häuser gehören in kollektive Hand. Zu lange haben wir uns auf der Nase rumtanzen lassen, in einem profitorientierten Wirtschaftssystem werden die Konzerne nicht plötzlich die Mieten senken oder mehr günstigen Wohnraum für alle schaffen. Das müssen wir selber tun. Erkämpfen wir die Enteignung der Wohnungskonzerne! Nehmen wir die Verwaltung unserer Wohnungen selbst in die Hand – zum Beispiel mit MieterInnenräten.

    Weil noch viel zu tun ist, sollte eigentlich am 28. März erneut ein internationaler Aktionstag unter dem Motto „Housing Action Days“ stattfinden. Wir wollten dagegen demonstrieren, dass einige Wenige mit unserem Wohnraum Profit machen. Wir haben alle das Recht auf Wohnen, aber das Recht darauf zu haben, bedeutet auch, dass wir es uns leisten können müssen. Wir müssen sagen „Es reicht!“. Unsere Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen und Wohnen müssen gewährleistet sein. Sowohl jetzt, als natürlich auch nach der Corona-Krise.

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