Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg übernimmt die neuen Ermittlungen. Gutachten des Oberstaatsanwalts geht eindeutig von Mord aus.

Vor fast 13 Jahren wurde Oury Jalloh in einer Polizei-Zelle in Dessau-Roßlau durch ein Feuer getötet. Seitdem laufen auch die Ermittlungen zu seinem Tod. Nachdem das Verfahren zwei Mal ohne Ergebnis eingestellt wurde, hat nun die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg das Verfahren übernommen – auf Weisung von Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU). Zuvor hatten bereits die Staatsanwaltschaften aus Dessau-Roßlau und danach Halle den Fall ergebnislos verhandelt.

Laut Justizministerin Keding werde nun alles unternommen, was rechtsstaatlich möglich und geboten ist, um die Umstände des Tods von Oury Jalloh aufzuklären“. Nach 13 Jahren ergebnisloser Ermittlungen scheint Skepsis an dieser Aussage mehr als angemessen.

Chefermittler geht von Mord an Oury Jalloh und zwei weiteren Männern aus

Wie nun bekannt wurde, geht auch der langjährige Chefermittler der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, Oberstaatsanwalt Folker Bittmann, von einem gezielten Mord Oury Jallohs durch Polizisten aus. Bittmann geht sogar noch viel weiter: Er beschuldigt die Dessauer Beamten, zuvor auch noch zwei weitere Männer ermordet zu haben. Diese neuen Informationen gehen aus seinem geheimen Vermerk vom April 2017 hervor, der der Mitteldeutschen Zeitung vorliegen soll.

Schon im Januar 2013 schrieb die „Initiative Oury Jalloh“ dazu: „Fakt ist, dass mindestens drei Menschen auf bislang ungeklärte Weise im Polizeirevier Dessau-Roßlau ums Leben gekommen sind.“ Allen Todesfällen gemeinsam seien die schweren Verletzungen der Männer und daher „der mehr als nahe liegende Verdacht, dass im Dessauer Polizeirevier über Jahre hinweg Menschen gequält und getötet wurden“:

Bereits im Dezember 1997 stirbt Hans-Jürgen Rose nach Festnahme und seiner Unterbringung in einer Zelle derselben Polizeiwache wie Jalloh, nur wenige Meter von dessen Kittchen entfernt, an inneren Verletzungen. Der obdachlose Mario Bichtermann stirbt 2003 in einer anderen Zelle derselben Polizeiwache an einem Schädelbasisbruch. 2005 folgt dann der Feuertod des gefesselten Oury Jalloh.

Oberstaatsanwalt Folker Bittmann geht davon aus, dass der gefesselte Jalloh sich nicht habe selbst entzünden können. Ihm zufolge seien den handfesten, professionellen Erkenntnissen zufolge beim Legen des Feuers zudem Brandbeschleuniger zum Einsatz gekommen. Er geht weiter davon aus, dass Oury Jalloh bereits bei Entzündung des Feuers bewusstlos gewesen sein musste. Dies habe eine Untersuchung der Leiche ergeben, wie ebenso die starken Verletzungen etwa eines Nasenbeinbruchs darauf hinwiesen.

Fraglich bleibt, wie die nun zuständige Generalstaatsanwaltschaft Naumburg mit diesen Informationen umgehen wird.