Cottbus, eine Stadt in Aufruhr – Doch der Faschismus ist kein Ausweg! – Ein Kommentar von Paul Hornick

Das Jahr hat gerade erst angefangen und schon steht Cottbus in den Schlagzeilen. „Gewalt gegen Deutsche“ und „Gewalt gegen Flüchtlinge“! Das steht im Fokus der Aufmerksamkeit der Presse. Was ist geschehen?

Raketen fliegen in die Luft, Jugendliche spielen mit Böllern und der Sekt durfte nicht fehlen. Viele haben noch diese Vorstellungen von der diesjährigen Silvesternacht im Kopf. An Gewalt denken dabei die Wenigsten. Aber es gab auch ein anderes Silvester in Cottbus.

Polizeischikane gegen Flüchtlinge; Einsatzkräfte schreiten nicht ein, obwohl sich Neonazis vor ihrer Nase vermummen, Böller auf Passanten werfen und sich dabei auch noch freuen. Da war die Nacht aber noch nicht vorbei.

Laut der Initiative „Cottbus schaut hin“ verletzte am Neujahrsmorgen eine zehnköpfige Gruppe von Faschisten drei afghanische Flüchtlinge schwer. Als die drei Flüchtlinge vor ihrer Flüchtlingsunterkunft standen und dachten, endlich in Sicherheit zu sein, ließen die zwei Sicherheitskräfte nicht nur die drei Flüchtlinge in das Gebäude, sondern auch die zehn Angreifer. Sie hatten freie Bahn, verfolgten die Opfer bis in ihre Unterkunft und schlugen weiter auf sie ein. Einer von ihnen lag danach mit einem Kieferbruch im Krankenhaus.

Tage später kam es zu zwei weiteren Angriffen. Diesmal aber von minderjährigen Flüchtlingen, erst gegen ein Ehepaar und danach gegen einen minderjährigen jungen Mann. Am Freitagnachmittag bedrängten drei syrische Jugendliche eine 43-jährige Frau und ihren Ehemann. Sie verlangten von der Frau mehr Respekt ihnen gegenüber. Das wiesen die Frau und ihr Ehemann zurück und wurden daraufhin mit einem Messer von den Jugendlichen bedroht. Dieses frauenfeindliche unterdrückende Verhalten gegen eine Frau, mit der anschließenden Gewaltandrohung ist in jedem Fall zu verurteilen.

Genauso wenig zu entschuldigen ist die Tat, die ein paar Tage später am Mittwoch geschehen ist: Zwei Jugendliche griffen nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung einen anderen an und verletzten ihn mit einem Messer im Gesicht.

Mit allen, die sich empören, bin ich einig, dass all diese Taten abscheulich sind. Uneinig bin ich  mit vielen jedoch darüber, woher das kommt. Ich glaube nicht daran, dass Flüchtlinge minderwertige Menschen sind und sich nicht benehmen können, oder dass ganz Ostdeutschland rassistisch und menschenfeindlich ist.

Ich glaube, der Mensch wird durch seine Umstände geformt: Für viele Menschen in Cottbus ging es ihr ganzes Leben lang nur abwärts. Seit dem Ende der DDR sind Arbeitsplätze, Industrie, Teile des Bildungssystems vernichtet worden und die Stadt selbst ist geschrumpft, um viele Tausend Menschen. Das weckt Hass in uns – zu Recht. Aber dieser Hass trifft die Falschen, wenn wir dabei den Faschisten folgen und auf die Flüchtlinge einschlagen.

Und warum sind einige Flüchtlinge aggressiv und auch voller Hass? Wenn deine Heimat zerstört wird, wenn du fliehen musst, wenn du erpresst und misshandelt wirst bis du in einem angeblich sicheren Land ankommst, wenn du dort in Lagern mit hunderten Menschen ohne Privatsphäre leben musst, würdest du dann nicht auch aggressiv werden? Auch ihr Hass trifft oft die Falschen, denn nicht die „Deutschen“ sind an ihrer Lage schuld, sondern dieses System. Es geht darum, dass die Richtigen unseren Hass zu spüren bekommen.

Ist es jetzt also die Lösung, zu einer offenkundigen faschistischen Demonstration von „Zukunft-Heimat“ zu gehen? Obwohl mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit die zehn feigen Schläger aus der Silvesternacht auch dort sind? Die Frage, die wir uns stellen sollten: Werden die Faschisten, die dort die Organisatoren und Mitläufer sind, uns als ArbeiterInnenklasse eine gerechte Zukunft bringen?

Wir sagen Nein! Denn genauso wie die Politiker in den Abgeordnetenversammlungen sind diese nicht gewillt, sich bedingungslos für unsere Klasse einzusetzen.

Aber wen kümmert es schon, dass Neonazis sich immer mutiger fühlen und hemmungsloser Terror ausüben? Uns sollte das etwas kümmern! Allein schon die deutsche Geschichte zeigt uns doch, was passiert, wenn der Staat Hand in Hand mit den Faschisten die ArbeiterInnenklasse leitet und kontrolliert.

Verfolgung, Verelendung und massenhaft Tote. Das sind die Zeichen für den Faschismus, egal wie er sich auch kleidet oder schimpft. Der „Nationale Sozialismus“, den die heutigen, wie auch die früheren Faschisten propagieren, bringt nichts anderes als Ausgrenzung, noch mehr Ausbeutung und Verelendung der ArbeiterInnenklasse, der du genauso angehörst wie ich, der diesen Text hier verfasst.

Die Opfer sind wir alle. Verblendung und Spaltung ist das Ziel des Staates und der Faschisten. Wie eh und je arbeiten sie zusammen wie ein altes Ehepaar und versuchen uns von den wahren Problemen abzulenken. Ob Flüchtling oder deutscher Bürger, wir werden alle von oben bis unten verarscht und klein gehalten.

Der Feind ist nicht unten, sondern oben! Genau da, wo das Geld in Massen gezählt wird. Für uns bleibt da nicht viel übrig. Wir sollen einfach nur artig unsere Arbeit machen und uns ja nicht mit der Ausbeutung in diesem und jedem anderen Land auf der Welt beschäftigen.

Der Feind heißt Kapitalismus und genau den müssen wir an den Pranger stellen, wenn wir uns abgeschlagen, müde und unsicher fühlen. Kämpfen müssen wir für die Freiheit der unterdrückten Massen, für die Zerschlagung des Kapitalismus und für die Befreiung der ArbeiterInnenklasse!