Steigerungen um bis zu 270% – Baugeräte werden angezündet.


Investoren Kaufen Immobilien, erneuern diese und verkaufen sie wieder – der typische Verlauf einer „Modernisierung“. Die Modernisierungskosten sollen die Mieter tragen, dabei steigt die Miete um ein vielfaches. Der Investor macht dabei erheblichen Gewinn, doch die MieterInnen müssen nicht selten das Haus verlassen. Besonders krass ist es in München.

München die Stadt der hohen Mieten

In mehreren Stadtteilen in München steigen die Mieten rapide. In Schwabing zum Beispiel finden sich laut Mieterbund  Mieterhöhungen von 564 Euro auf 1545 Euro, das ist eine Mietsteigerung von 273 Prozent. In Untergiesing gab es Erhöhungen von 298 Euro auf 374 Euro – eine Steigerung von 125 Prozent. Die Liste der Mietsteigerungen in München ist lang und scheint kein Ende zunehmen.

Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle. Im Jahr 2017 kam es hier zu 600 Fällen von Mieterhöhung aufgrund von Modernisierungen. Nimmt man ältere noch laufende Fälle zuvor hinzu werden es tausende.

Gesetzeslücken

SPD und CDU haben im neuen Koalitionsvertrag geregelt, dass von den Modernisierungskosten in Zukunft nur noch 8% statt bisher 11% auf die Mieter umgelagert werden dürfen. Die Vorsitzende des Mietervereins fordert dagegen die Modernisierungsumlage komplett abzuschaffen: „Tausende Münchner fürchten um ihre Wohnung – und es werden immer mehr“, so Beatrix Zurek. „Der Sinn und Zweck, überhaupt zu modernisieren, ist in vielen Fällen schlicht, die alten Mieter loszuwerden. Denn dann ist die Wohnung ein Vielfaches Wert und wird gerne als Eigentumswohnung zum Höchstpreis verkauft. In München ist das ein Riesengeschäft für Investoren.“

Verdrängung

Viele Mieter sind wütend: „Manche leben 30 Jahre in dem Haus.“ so Tilman Schaich ein Mieter in München gegenüber der Münchener Abendzeitung. Dieser steht einer Mieterhöhung von 100% gegenüber. Auch seine Nachbarn in dem 27-Parteien-Haus müssen nun doppelt oder dreimal soviel Miete zahlen. Die Angst aus der Wohnung in der man seit jahrzehnten lebt verdrängt zu werden ist groß. Schaich aber sagt, „wir wollen hier wohnen bleiben.“. Die Mieter wehren sich öffentlich und rechtlich.

Brennender Protest

Die explodierenden Mieten rufen auch militante Gegner auf den Plan. Am 2. und 7. Januar diesen Jahres brannten 2 Fahrzeuge von Bau-Firmen in München. Anfang Februar brannte ein Bagger komplett aus. Im Jahr 2014 wurden Autos von Imobilienmaklern zerstört und im letzten Jahren wurde das Büro einer Baufirma gleich zweimal mit Steinen beworfen. Die Angriffe haben sich immer gegen die Makler, Immobilienbesitzer und Baubranchen gerichtet, welche für die hohen Mietpreise, die Gentrifizierung und die Vertreibung der armen Arbeiterinnen und RenterInnen aus ihren Wohnungen verantwortlich gemacht werden.