Mindestens 5,7 Prozent mehr Lohn, Einmalzahlungen und eine leichte Angleichung der Ost-Löhne – jedenfalls dort, wo es noch eine Tarifbindung gibt

Mit dem Schlichterspruch des früheren Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement ist der Tarifstreit im Bauhauptgewerbe mit einem Kompromiss zwischen Arbeitgeber- und ArbeitnehmervertreterInnen vorerst beigelegt worden. Beide Seiten müssen dem Arrangement zwar noch formal zustimmen, dies wird jedoch erwartet.

Rückwirkend zum 1. Mai soll es danach für die ArbeiterInnen der Branche 5,7 Prozent mehr Lohn geben. Außerdem sollen die Löhne in Ostdeutschland schrittweise an die im Westen angepasst werden. So steigen die Löhne in den östlichen Bundesländern um 6,6 Prozent rückwirkend zum 1. Mai und nochmals um 0,8 Prozent zum 1. Juni 2019.

Zudem soll das 13. Monatsgehalt je nach Tarifgebiet unterschiedlich hoch aufgestockt werden und künftig auch an Auszubildende gezahlt werden. Hinzu kommen mehrmalige Einmalzahlungen zwischen 250 und 600 €, wobei diese für Ostdeutschland deutlich niedriger ausfallen. Der Tarifvertrag ist auf eine Laufzeit von 26 Monaten ausgelegt.

Die IG Metall hat damit den höchsten Tarifabschluss aller Gewerkschaften in den diesjährigen Tarifverhandlungen abgeschlossen. Doch der Schein trügt. Nicht nur, dass der Abschluss durch eine lange Laufzeit begleitet wird, er spiegelt auch nicht den anhaltenden Boom in der Baubranche wieder.

Laut Angaben des „Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie“ (HDB) und des „Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes“ (ZDB) strebt die Branche für das laufende Jahr 2018 einen Rekordumsatz von mehr als 117 Milliarden Euro an. Das wäre der höchste Umsatz seit 23 Jahren. Laut dem Statistischen Bundesamt sind die Umsätze der verschiedenen Zweige der Bauwirtschaft im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent im Hochbau und 18,4 Prozent im Bereich Dachdeckerei gestiegen (Link).

Hinzu kommt, dass von den rund 800.000 ArbeiterInnen der Branche nur rund 40 Prozent in tarifgebundenen Betrieben arbeiten. Im Osten liegt diese Tarifbindungsquote sogar nur bei etwa 29 Prozent (Link). Für die Mehrheit der Betroffenen ist dieser Abschluss also überhaupt nicht gültig.