Rund 1,3 Millionen Menschen arbeiten heute in „Midijobs“ – verdienen also zwischen 450€ und 850€ pro Monat. 2019 soll die Grenze nochmal angehoben werden – das wird die Sozialverschicherung rund 500 Millionen Euro kosten und den Niedriglohnsektor ausweiten.

Wer heute in einem Midijob arbeitet, kann sich zwar nicht von den Sozialversicherungsbeiträgen befreien lassen, er muss aber auch nicht die vollen Beiträge bezahlen. Stattdessen wird ein reduzierter Beitragsanteil in die Sozialversicherung eingezahlt, der gestaffelt ist und mit dem Verdienst steigt. Dennoch erhält man die vollen Rentenansprüche.

Mit dem neuen, von der Bundesregierung verabschiedeten Rentenpaket soll nun die Midijob-Grenze auf 1300€ angehoben werden. Dadurch wird die Anzahl der Midijob-Beschäftigten auf rund 3,5 Millionen Menschen ansteigen. Sie hatte sich bereits innerhalb der letzten 15 Jahre auf 1,3 Millionen verdoppelt. Das hat die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei ergeben.

Offiziell sollen mit der Regelung Menschen in Teilzeitbeschäftigung profitieren. Sie sollen zwischen 3 bis 23 Euro mehr Netto vom Brutto pro Monat haben. Vor allem teilzeitarbeitende Frauen sind davon betroffen.

„Das ist an Absurdität kaum zu überbieten“

Der Entlastung stehen jedoch Mindereinnahmen der Sozialversicherungsträger in Höhe von 500 Millionen Euro pro Jahr gegenüber. Dazu Susanne Ferschl, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Bundestag:

„Das ist an Absurdität kaum zu überbieten: Im Rentenpaket wird wenig verbessert oder stabilisiert, sondern prekäre, nicht existenzsichernde Teilzeitarbeit in der sogenannten Gleitzone ausgeweitet und subventioniert! Das schwächt die Sozialversicherung und führt kaum zu höheren Renten. Was bringt den Beschäftigten ein bisschen mehr netto vom brutto, wenn sie für die gleiche Arbeit nur die Hälfte verdienen? Alle wissen, dass schon heute ein Lohn von mindestens 12 Euro pro Stunde notwendig ist, um im Alter nicht aufs Amt zu müssen. Was die Unternehmen an Lohnkosten sparen, zahlt am Ende die Solidargemeinschaft.“