Laut Studien fühlt sich rund jede/r zehnte Deutsche einsam. Dies macht sich besonders zu Weihnachten bemerkbar, dann werden Telefon- und Chat-Angebote besonders oft kontaktiert.

„Weihnachten hat eine besondere familiäre Bedeutung – besonders, wenn man keine hat.“, sagt Elisabeth Simon gegenüber der Münchener Abendzeitung.  Sie ist bei der Telefonseelsorge des Diakonischen Werks Bayern zuständig und weiß, wovon sie spricht: In der Weihnachtszeit nehme die Zahl der Anrufe zu: „Da ist der Bedarf natürlich steigend. Denn das ist die Zeit, in der die Leute besonders einsam sind“, so Simon. Rund zwei Drittel der Anrufenden seien Frauen, etwa 30 Prozent zwischen 50 und 59 Jahre alt. Auch nicht-kirchliche Träger wie der Humanistische Verband bieten solche Notrufe an.

Junge Menschen nutzen Chat-Angebote

Unter 30-Jährige nutzen eher die anonymen Chat-Angebote:  „Unsere Grundklientel sind Frauen zwischen 20 und 40 Jahren.“, so Carsten Krabbes, Koordinator eines Angebots in Hannover. In vielen Chats gehe es das Jahr über darum, wie man einen Partner finden und sich binden könnte. Aber auch Probleme in der Familie und im Beruf sowie Fragen nach dem Sinn des Lebens nähmen einen großen Raum ein.

„Wir haben Studierende und junge Ärztinnen, die haben Examen gemacht, sind promoviert und haben alles auf die Karriere gesetzt“, berichtete Krabbes. „Die sitzen jetzt abends zu Hause und fragen sich: Ist das wirklich mein Leben?“ Auch viele Krankenschwestern und Altenpflegerinnen meldeten sich im Chat und berichteten von Krisen in ihrem Beruf: „Es gibt in der Pflege offenbar immer mehr Arbeit für immer weniger Menschen.“ Zudem beschäftige der Umgang mit Tod und Trauer viele Chat-Teilnehmer.

„Die ‚Versingelung‘ des Lebens ist dramatisch fortgeschritten“, so Krabbes. Er könne gut nachvollziehen, dass Großbritannien bereits ein eigenes Ministerium für den Kampf gegen die Einsamkeit geschaffen habe.

Allein die Möglichkeit, die eigenen belastenden Gedanken aufzuschreiben oder mit jemandem zu telefonieren, hilft vielen Betroffenen bereits, leichter mit Einsamkeit und Schwierigkeiten umzugehen.