Schon Karl Marx sprach davon, dass KleinbürgerInnen gesetzmäßig mit Entwicklung des Kapitalismus immer mehr in die Reihen des Proletariats hinab gedrückt werden. Sie könnten sich einfach in der kapitalistischen Konkurrenz gegen große Monopole nicht mehr halten. Das zeigt sich auch heute in Deutschland: in den letzten zehn Jahren sind 30% der Betriebe im Bäcker- und Fleischerhandwerk verschwunden.

Das geht aus Zahlen hervor, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) veröffentlichte. So waren im Jahr 2008 in ganz Deutschland noch rund 15.337 Bäckereien registriert, Ende Ende 2018 waren es nur noch 10.926. Vor 20 Jahren waren es mit 21.406 Betrieben noch über doppelt so viele.

Ähnlich die Situation im Fleicherei-Handwerk: Hier sank die Zahl der Betriebe in den letzten zehn Jahren von 18.320 auf 12.897. Im Jahr 1998 waren es sogar noch 25.492 Betriebe.

Starke Monopolisierung

Im Rahmen der Agenda 2010 wurde im Jahr 2004 die Handwerksnovelle erlassen. Damit wurden 53 der 94 in Deutschland zulassungspflichtigen Handwerksberufe vom Meisterzwang und dem Inhaberprinzip befreit – darunter auch das Bäckerei- und Fleischerhandwerk.

Seitdem wurde dieser Bereich massiv von großen Unternehmen wie „Backwerk“ erschlossen. Im Bäckereihandwerk haben heute 52% der Betriebe einen Marktanteil von 15%, demgegenüber stehen 2,2% Groß-Betriebe mit einem Marktanteil von mehr als 52%. Ähnlich sind die Entwicklungen im Fleischereibereich.

Fachkräftemangel

Doch nicht nur die kapitalistische Konkurrenz macht den Betrieben zu schaffen. „Das Problem ist der Mangel an qualifiziertem Personal und an Nachwuchskräften, aus denen eine neue Generation von Inhabern entstehen müsste“, so Herbert Dohrmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks. In beiden Bereichen seien im vergangenen Jahr fast 1.000 Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben.