Der fünftgrößte Backhersteller in Deutschland schließt bis Ende Juli. Rund 1,000 Mitarbeiter in Witten, Würselen und Köln sollen ihre Jobs verlieren. Die Gewerkschaft NGG erklärt, dass die frühere Eigentümerfamilie Mainz und der jetzige Eigentümer, die Investmentfirma Signal Capital, das Unternehmen vor die Wand gefahren haben

Am vergangenen Donnerstag wurde die Belegschaft der Firma „Kronenbrot“ informiert: alle Werke sollen bis Ende Juli schließen. Damit verlieren rund  1.000 ArbeiterInnen in Witten, Würselen und Köln ihre Arbeitsplätze. Noch am selben Tag wurde der Betrieb eingestellt und die ersten KollegInnen packten ihre Sachen.

Kronenbrot belieferte Lebensmitteleinzelhändler, Discounter, Großverbraucher sowie die Filialen von Backshop-Ketten. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 120 Millionen Euro.

Insolvenzantrag gestellt

Das im Jahr 1865 gegründete Unternehmen hatte vor rund drei Wochen den Insolvenzantrag gestellt. „Kronenbrot ist seit vielen Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Produktionsanlagen sind stark veraltet und halten den Anforderungen moderner Produktionsabläufe nicht mehr stand“, so der Insolvenzverwalter Biner Bähr gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa).

Schon vor zwei Jahren hatte das Unternehmen bereits einmal Insolvenz angemeldet, die Pleite jedoch überstanden. Damals hatten ArbeiterInnen Zugeständnisse beim Lohn gemacht. Das Geld sollte in neue Maschinen investiert werden. Das ist aber nicht geschehen.

Scharfe Kritik an Eigentümern

Für die Gewerkschaft NGG handelt es sich dabei um eine bewusste Politik der früheren Eigentümerfamilie Mainz und der aktuellen Investmentfirma Signal Capital. In einer Erklärung stellte die Gewerkschaft klar:

„Die Familie Mainz hat über viele Jahre dringend notwendige Investitionen zur Modernisierung von Maschinen und Produktionstechniken, zur Verbesserung der Qualität oder zur Entwicklung neuer, innovativer Produkte sträflich vernachlässigt. Signal Capital hat ebenfalls kaum investiert. Mehr noch: Signal Capital hat die Grundstücke und Gebäude in allen Standorten vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters gesichert und wird diese Filetstücke nun vermutlich versilbern. Das Gebaren ist zwar legal. In der Belegschaft glaubt inzwischen aber niemand mehr, dass Signal Capital je die Absicht hatte, Kronenbrot ernsthaft und nachhaltig weiterzuentwickeln.“

Die Gewerkschaft NGG plant derweil keine weiteren Protestaktionen. Stattdessen werden Sozialpläne für die ArbeiterInnen ausgehandelt, während diese sich bereits arbeitslos melden. Ab August sollen sie von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt werden.