Banken leihen sich oft auf dem „Repo-Markt“ über Nacht Bargeld, um ihren laufenden Betrieb zu finanzieren. In den letzten Tagen schoss jedoch der Zins in diesem Markt in die Höhe, die amerikanische Notenbank schritt ein. Über drei Tage hinweg stellte sie insgesamt 128 Milliarden Dollar zur Verfügung, um den Zins wieder zu senken. Solch eine Intervention geschieht zum ersten Mal seit der Weltwirtschaftskrise von 2008.

Der „Repo-Markt“ (Abkürzung von englisch: repurchase operation oder repurchase agreement bezeichnet) ist ein eher unbekannter Teil des Finanzmarkts, hat jedoch hohe Bedeutung für die Funktion des kapitalistischen Finanzsystems in den USA. Repos als Rückkaufvereinbarungen sind meist Über-Nacht-Geschäfte, bei denen Bargeld gegen erstklassige Sicherheiten, meist in Form von amerkanischen Staatsanleihen ausgegeben wird. Das Bargeld wird für den laufenden Betrieb benötigt. Umgekehrt kommt das Geld von Geldmarktfonds, Vermögensverwaltern oder anderen Banken, die überschüssige Barmittel mit einem geringen Risiko verzinsen wollen.

Doch am Mittwoch gab es viel zu wenig Anbieter von Bargeld auf dem Repo-Markt. Der Zins schoss von rund 2% auf 10% hoch. Laut der WELT hätten Marktteilnehmer von „verrückten Szenen“ gesprochen, die sich an den Geldmärkten abspielten. Viele fühlten sich an die Finanzkrise von 2008 erinnert.

128 Milliarden Dollar

Die amerkanische Notenbank „Federal Reserve“ (FED) intervenierte daraufhin in einem massiven Notfall-Programm mit Milliarden-Spritzen: So stellte die FED am Dienstag schon 53 Milliarden Dollar zur Verfügung und legte am Mittwoch 75 Milliarden Dollar nach. Die Zinsen sanken wieder auf 2,8%

In der Wirtschaftspresse wird davon gesprochen, dass nicht ein Vertrauensverlust in die Zahlungskraft der anderen Banken der Grund für zu wenig Geld auf dem Repo-Markt gewesen sei. Stattdessen hätten viele Unternehmen kürzlich ihre Steuerzahlungen zu begleichen gehabt oder mussten Geld für eine große Auktion von Staatsanleihen leisten.

Es bleiben dennoch offene Fragen: Laut FAZ zeigten sich Fachleute verblüfft, dass die Händler am Montag offenbar nicht auf den zu erwartenden Liquiditätsengpass vorbereitet waren. Dass Steuerzahlungen und die Abwicklung der Staatsanleihekäufe anstanden, war nämlich schon länger bekannt.

So oder so: die FED verließ sich nicht auf die „Selbstheilungskräfte“ des Marktes und stütze die Banken kurzerhand mit 128 Milliarden Dollar.