Nach jahrelangen Verhandlungen mit den Taliban haben die USA nun angekündigt, einen Teil ihrer Soldaten innerhalb der nächsten 135 Tage aus Afghanistan abzuziehen. Ein weitgehender Truppenabzug soll folgen, wenn sich Taliban und die afghanische Regierung auf einen Friedensschluss und einen gemeinsamen Kampf gegen Al-Kaida und den „Islamischen Staat“ einigen können.

Seit mehr als 18 Jahren halten die USA gemeinsam mit ihren Verbündeten der NATO-Staaten Afghanistan besetzt und führen einen blutigen Krieg gegen die Taliban und andere islamistische Gruppen wie Al-Kaida und den „Islamischen Staat“.

Nach fast zwei Jahrzehnten müssen die USA nun einsehen, dass ein militärischer Sieg in Afghanistan nicht möglich ist. Daher gab es in den vergangenen Jahren immer wieder politische Verhandlungen mit verschiedenen Vertretern der Taliban. Diese gewinnen in den vergangenen Jahren erneut immer mehr Einfluss in Afghanistan. Laut US-Militärangaben beherrschten die Taliban Ende 2018 politisch faktisch die Hälfte aller Bezirke im Land. Die von den USA gestützte afghanische Zentralregierung konnte ihre Macht in den vergangenen Jahren nie über das ganze Land ausbauen.

USA und Taliban schließen Abkommen

Ende Februar einigten sich die USA und die Taliban dann schließlich – trotz anhaltender Kämpfe und Anschläge – auf ein gemeinsames Abkommen. Dieses wurde in Katar vom US-Sondergesandten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und dem politischen Chef der Taliban, Abdul Ghani Baradar, unterschrieben.

In dem Abkommen kamen die beiden Seiten überein, einen Abzug möglichst aller ausländischen Truppen aus Afghanistan in den kommenden 14 Monaten zu erreichen. Im Gegenzug sollen die Taliban Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul führen und gemeinsam andere islamistische Gruppen bekämpfen.

Verhandlungen zwischen Taliban und Zentralregierung in Kabul

In einem ersten Schritt wollen die USA nun in den kommenden vier Monaten ein Drittel ihrer Soldaten aus Afghanistan abziehen. Auch die anderen NATO-Staaten sollen nach und nach ihre Präsenz im Land verringern.

Um den Weg für inner-afghanische Verhandlungen frei zu machen, sollen nach Medienberichten schon in den kommenden Tagen mindestens 1.000 Taliban-Kämpfer aus den afghanischen Gefängnissen entlassen werden. Die Taliban fordern als Vorbedingung für Gespräche die Freilassung von rund 5.000 Gefangenen.

Wie die zukünftige politische und militärische Machtverteilung in Afghanistan aussehen könnte, bleibt indes noch vollkommen ungewiss.