In Folge der jetzigen Krise wird viel von KurzarbeiterInnengeld geredet und Millionen Menschen müssen in Kurzarbeit gehen. Was in den Anfangszeiten der Corona-Pandemie wie ein Segen für die von der Entlassung bedrohten ArbeiterInnen klang, ist tatsächlich ein altes Allheilmittel der Chefetagen.

Mit der Corona-Pandemie entfaltete sich auch die aktuelle Weltwirtschaftskrise. KurzarbeiterInnengeld wurde an Millionen ArbeiterInnen ausgezahlt und die Zahlen der Bezüge steigen bis heute. Doch schon einmal in der deutschen Geschichte wurden Millionen von vollbeschäftigten Arbeiterinnen und Arbeitern in Kurzarbeit geschickt: nämlich als die ehemalige DDR sich dem Markt der BRD angleichen musste und letztendlich annektiert wurde. Von 1990 bis 1992 lebten fast zwei Millionen Menschen vom KurzarbeiterInnengeld, über 1,6 Millionen davon im Osten der Republik.

Mit der Angleichung der Ostmark an die D-Mark mussten alle DDR-Betriebe ihren ArbeiterInnen vom einen auf den anderen Tag die Löhne in D-Mark auszahlen, ebenso mussten aber auch die Rechnungen mit der neuen Währung bezahlt werden. Einige erinnern sich, dass bei der nächsten Währungsunion von der D-Mark auf den Euro über mehrere Monate vorgerechnet wurde, wie man konkret die neue Währung zu behandeln hat. Das war damals nicht so. Lediglich ein teurer Propagandafilm seitens der BRD, der den unklugen Namen „der kluge Ludwig“ trägt, sollte die Ostdeutschen über die neue Mark und über die damalige „soziale Marktwirtschaft“ aufklären. Der Film wurde wegen Diskriminierung der eigenen Bevölkerung niemals ausgestrahlt.

Doch nicht nur die Mark und das KurzarbeiterInnengeld zu „Wendezeiten“ zeigen, was uns ArbeiterInnen noch bevorstehen kann. Waren es zwischen 1990 bis 1992 fast zwei Millionen Menschen, die von KurzarbeiterInnengeld lebten, sind es derzeit schon über sieben Millionen Menschen. Und das sind diejenigen, die überhaupt noch einer Beschäftigung nachgehen können und konnten. Zwischen 1989 und 1990 verloren über zwei Millionen Menschen ihren Beruf, den sie erlernt hatten. Die Betriebe und Fabriken sind bis heute stillgelegt und viele Menschen mussten sich umschulen lassen. In den folgenden Jahren bis 2000 stieg die Zahl der Erwerbslosen im ehemaligen Gebiet der DDR immer weiter auf 18,7 Prozent. Das sind fast elf Millionen betroffene Menschen. Innerhalb des letzten Jahres ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um mehr als 600.000 Menschen gestiegen.

Damals wie heute sind viele Menschen in die Armut gedrängt worden. Bei der Annexion der DDR 1990 gab es noch die zahlungskräftige BRD, die es zumindest im Laufe von 30 Jahren hätte schaffen können, den Osten anzugleichen. Doch wer wird in der jetzigen Wirtschaftskrise versuchen, den Karren aus den Dreck zu ziehen?


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