Das „Gipfeltreffen“ ist eine deutsche Comedy-Sendung des MDR, in der Olaf Schubert, Torsten Sträter und Johann König ihren spitzen Humor präsentieren. Diese Glanzstunde deutscher humoristischer Kleinkunst beinhaltet dann aber auch Phrasen wie „Warum nicht auch mal häusliche Gewalt?“. Kann das noch „Comedy“ sein? – Ein Kommentar von Tabea Karlo.

Im November veröffentlichte der MDR die mittlerweile 14. Folge des sogenannten „Gipfeltreffens“. In der Show unterhalten sich Torsten Sträter, Johann König und Olaf Schubert – der MDR nennt sie auch die furiosen Drei – dreißig Minuten lang über alle möglichen Themen. Und ich meine wirklich alle möglichen, da geht’s von „mittags in der Kneipe“ über „Sekundenschlaf im Auto“ bis hin zur Frage „Warum nicht auch mal häusliche Gewalt?“.

Der MDR bewirbt die Sendung auf der eigenen Webseite unter anderem mit den Worten „… , um der Welt zu helfen, sich selbst zu retten. Durch Wissen. Denn Wissen ist Macht. Und gerne geben die drei Experten ihr Wissen an die Bedürftigen weiter.“ Dieses Wissen beinhaltet zum Beispiel auch die philosophisch anmutende Frage, ob sein Kind in den Garten zu werfen noch häusliche Gewalt sei oder doch schon zur „außerhäuslichen“ Gewalt zähle. Im direkten Anschluss wird dann natürlich darüber diskutiert, ob das strafrechtlich überhaupt von Belang wäre.

Kurz zuvor wurde das ganze Thema eingeleitet mit Johann Königs Worten: „Ich stand früher häuslicher Gewalt immer sehr skeptisch gegenüber.“, eine Aussage, die vor allem im Zusammenhang mit den folgenden Worten und dem Rest der Sendung klar impliziert, dass er das heute anders sieht.

Einen weiteren Tiefpunkt des ohnehin schon vor Geschmacklosigkeit triefenden Spektakels ist die Diskussion über Janin Ullmanns Frage: „Kann ich auch im Darknet bei Bofrost bestellen?“. Ich möchte nicht zu lange darauf eingehen, dass ich vermute, dass man Janin diese Frage vor allem deshalb zugeteilt hat, weil sie eine Frau ist. Denn das Schlimme an dieser Stelle ist weniger die Frage selbst, als die Diskussion die darauf folgt. Auch hier glänzt Königs wieder mit einer äußerst cleveren Antwort „eine eingefrorene Milf zum Beispiel“ (Milf=Mother i’d like to fuck= Mutter, die ich gerne ficken würde).

Da kann ich nur sagen, danke Johann, da wäre mir auch wirklich nichts anderes eingefallen. Ich mein, offensichtlich kann man sich nichts anderes ausdenken an dieser Stelle als eine eingefrorene Frau, die dann – je nach Bedürfnis des Mannes – mal eben schnell „benutzt“ werden kann. Aber es geht noch weiter, Scholz philosophiert dann, dass es ja auch „Kondensmilf“ geben könnte, diese dann in vielen kleinen Tuben.

Eine Kommentatorin mit dem Pseudonym @ka_ro123 schreibt dazu unter das Video:
„…Es geht um eine reine Objektifizierung von Frauen. Und mit diesem Objekt kann Mann machen was er will. Z.B. sie in kleine Portionen einteilen. Sie dafür also töten und portionsgerecht in Tuben verpacken. Denn wenn dem einen Herren schon bewusst ist „da bräuchte man viele Tuben“, dann ist wohl auch jedem klar, dass das nichts aber so gar nichts mit lebenden Menschen zu tun hat, über die da gerade gesprochen wird. Einfach nur widerlich.“

„Einfach nur widerlich“ – da bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig als beizupflichten. Denn auch wenn ich durchaus verstehe, dass sich die drei jungen Herren dabei äußerst eloquent fühlen und alles natürlich „nur“ Sarkasmus ist, so muss ich doch schlucken: Seit Monaten steigt die häusliche Gewalt rasant an. Immer mehr Menschen, vor allem allerdings Kinder und Frauen, fühlen sich in ihrem Zuhause wie in einem Gefängnis. Eingeschlossen mit dem Täter.

Vor diesem Hintergrund ist eine Vielzahl der Witze in der Sendung nicht einfach nur unlustig und geschmacklos, sondern die ‚Pointen‘ verharmlosen ein Problem, dem in unserer Gesellschaft ohnehin viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Jedes Jahr gehen Frauen – bald wieder am kommenden 8. März oder eben am 25. November, dem Tag gegen Gewalt an Frauen – auf die Straße, um dafür zu kämpfen, dass unsere Probleme endlich ernst genommen werden. Um dann selbst von Olaf Schubert, der dauernd in linksanmutenden Sendungen wie der „Heute-Show“ auftritt, zum Objekt degradiert zu werden.

Die MDR-Spasszone sieht das ganze übrigens weniger kritisch. Mittlerweile hat sie zwar einen Videoclip der Sendung auf Instagram gelöscht, in dem die Gewalt an Kindern verharmlost wird. Die Sendung findet sich jedoch immer noch in voller Länge auf ihrem Youtube-Kanal.

Dazu schreibt die Satirikerin Jorinde Wiese auf ihrem Instagram-Account:
„Ja und ich weiß wie @mdrspasszone argumentiert: Johann König macht ja auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam, indem er es ‚thematisiert‘. Falsch. Er reproduziert damit Gewalt. ‚Satire lebt von Überspitzungen und Übertreibungen‘. Ja. Aber das hier?! Ist keine Satire, habe dazu einen Crashkurs geschrieben und @timtonndorf hat es auch tausend Mal erklärt.“

Und mit diesen Worten ist dann eigentlich auch alles gesagt.


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