In der Corona-Pandemie erklären kapitalistische Politiker:innen oft, wir säßen „alle im gleichen Boot“. Während allerdings die breite Bevölkerung in Frankreich den harten Lockdown-Regelungen und der Polizeikontrolle ausgesetzt ist, handeln Minister:innen wohl anders: Ihnen wird vorgeworfen, in illegalen Luxus-Restaurants gespeist zu haben.

Am Wochenende erhitzte eine am Freitagabend ausgestrahlte Reportage des Fernsehsenders M6 die Gemüter in Frankreich. Mit versteckter Kamera wurden Szenen in einem „Untergrund-Restaurant“ in Paris aufgenommen. Während die Restaurants in Frankreich eigentlich seit Ende Oktober geschlossen sind, ist in den Aufnahmen vom Coronavirus keine Spur.

https://twitter.com/m6info/status/1378089447271596038

„Menschen, die hierher kommen, nehmen ihre Masken ab“, sagte ein Beschäftigter des Restaurants im Interview. Weder Gäste noch Bedienung tragen sie im Video. Auch Abstandsregeln werden nicht eingehalten.

Besonders brisant ist die Aussage eines Mannes, der im Bericht als „Sammler“ bezeichnet wird: „Ich habe diese Woche in zwei oder drei Restaurants, die als Untergrund-Restaurants bezeichnet werden, mit einer gewissen Anzahl an Ministern zu Abend gegessen.“

Während Regierungssprecher Gabriel Attal, Innenminister Gerald Dermain und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire die Vorwürfe geschlossen zurückwiesen, ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.

Dabei solle herausgefunden werden, wer diese Feiern organisiert und wer daran teilgenommen habe. Ebenso würde wegen des Verdachts der Schwarzarbeit ermittelt, so Staatsanwalt Heitz. Der Informant hat seine Behauptung über die Anwesenheit von Minister:innen zwar zurückgezogen. Unklar bleibt jedoch, was ihn dazu gebracht hat.

Auf den sozialen Medien entlädt sich derweil unter dem Hashtag #Onveutlesnoms (deutsch: „Wir wollen die Namen“) die Wut vieler Französ:innen über die Doppelmoral der Regierung.

Erst am Samstag wurde ein landesweiter Lockdown verhängt. Zusätzlich sind seit Ende Oktober die Restaurants geschlossen. Dass die Corona-Regelungen für Arbeiter:innen und Jugendliche teilweise mit drakonischer Polizeigewalt und -schikane durchgesetzt wurden und nun solch grobe Verstöße durch Minister:innen im Raum stehen, sorgt für Empörung.


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