Die „Polizeiliche Kriminalitätsstatistik“ zeigt für 2020 einen deutlichen Anstieg der Missbrauchsfälle an Kindern auf. Ein Zusammenhang zum Lockdown liegt nahe.

Gestern, am 26.05., fand in Berlin die Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Bundeskriminalamts (BKA) gemeinsam mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig statt.

Die Zahlen zeigen unter anderem, dass die Zahl verschiedenster Gewaltverbrechen gegen Kinder im letzten Jahr deutlich gewachsen ist. So starben im letzten Jahr 152 Kinder durch fahrlässige oder vorsätzliche Tötung oder infolge von Körperverletzungen (2019 waren es 112).

Die polizeilich registrierte Zahl der Fälle von Besitz, Produktion oder Verbreitung von kinderpornografischem Material stieg um 53 Prozent. „Europol“ geht davon aus, dass der Konsum von Kinderpornographie im ersten Lockdown um ein Drittel gestiegen sei.

Gerade in diesem Bereich geht BKA-Präsident Münch von einem weiteren Anstieg der Zahlen auch für die nächsten Jahre aus, da er einige Ermittlungsverfahren in diesem Bereich erwarte und somit Taten, die zuvor noch im sogenannten „Dunkelfeld“ verblieben, nun auch in der polizeilichen Statistik auftauchen.

Auch in anderen Bereichen von Kindesmisshandlung ist es traurige Realität, dass die Zahl der Fälle stark angestiegen ist. Mit 4.497 Fällen erhöhte sich die Zahl von Misshandlungen an Kindern ohne sexuelles Motiv in der Statistik um 11 Prozent. Darüber hinaus wurden 16.921 Fälle von Kindesmissbrauch angezeigt – das sind fast 1.000 mehr als 2019 und sogar über 3.000 mehr als 2017. Die registrierte Gewalt gegen Kinder wächst also nicht erst seit der Pandemie.

Bei der ungeklärten Frage, ob die Zahl der Taten tatsächlich gestiegen oder nur die Zahl der registrierten Fälle relativ gewachsen ist, halten sich die Ermittler:innen in ihren Schlussfolgerungen immer wieder zurück.

Zumindest für das erste Pandemie-Jahr 2020 geben sie jedoch indirekt zu, dass die gewachsene Zahl von Gewalttaten in der Statistik wohl die Realität widerspiegele. Die Bedingungen, um Auffälligkeiten bei Kindern zu registrieren, waren nämlich deutlich verschlechtert, wie BKA-Präsident Münch ausführte – ebenso die Möglichkeiten von Kindern, sich an Vertrauenspersonen außerhalb ihres Haushalts zu wenden, vor allem wegen der Schließungen von Schulen und Kitas.

Die Dunkelziffer könnte also gerade unter den Bedingungen der Pandemie noch erheblich höher als normalerweise sein.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.