Seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Situation an Schulen immer wieder Thema. Eine sehr frühe Forderung der Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte war die Anschaffung mobiler Luftfilter, welche die Ansteckungsgefahr in Klassenräumen stark reduzieren könnten. Bisher wurde sie nicht einmal im Ansatz flächendeckend erfüllt – und die Wartezeit verlängert sich um weitere Monate.

Die Diskussion über Luftfilteranlagen in Klassenräumen läuft seit Monaten. Ende Juni und Anfang Juli versprachen Politiker:innen in mehreren Bundesländern nach langer Zeit der Diskussion endlich, Schulen mit mobilen Luftfiltern auszustatten. Im Herbst diesen Jahres sollten teils alle, teils die Hälfte aller Klassen die Geräte erhalten.

Das Geld dafür soll auch vorhanden sein: Die meisten Bundesländer übernehmen die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte müssen die Kommunen zahlen, ebenso müssen sie die Luftfilter anschaffen. Von der Bundesregierung soll es zusätzlich 200 Millionen Euro als Unterstützung geben. Viele der verantwortlichen Kommunen weigern sich aber weiterhin, die Geräte zu bestellen. Ihrer Ansicht nach wären die aufzubringenden Kosten für Anschaffung, Strom und Wartung zu groß im Vergleich zu ihrem Beitrag zum Infektionsschutz.

Die Hoffnung, im Herbst in den meisten Klassenräumen Luftfilter zu sehen, wird aber nicht nur deshalb getrübt. Bei den Herstellern der Geräte gibt es bereits jetzt Lieferfristen bis Januar und Februar nächsten Jahres, da sie aus der ganzen Welt unzählige Aufträgen erhalten haben.

Die Bestellungen der Bundesländer seien zu spät eingetroffen, Ausschreibungs- und Förderkriterien erst in den letzten Wochen erstellt worden und in manchen Ländern sei noch nicht einmal klar, welche Voraussetzungen für die Luftfilter-Anlagen gelten müssen, zum Beispiel was ihre maximale Lautstärke betrifft. Dadurch werde der Großteil der Bestellungen voraussichtlich frühestens Anfang 2022 in den Klassenräumen ankommen.

Mit dem Ende der Sommerferien und dem Öffnen von immer mehr Schulen steigen auch die Infektionszahlen in den einzelnen Bundesländern stark an. Gleichzeitig äußern sich immer mehr Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kategorisch gegen Homeschooling. Dies solle es auch bei weiter steigenden Infektionszahlen nicht mehr geben. Durch das monatelange Lernen von zuhause aus haben bereits jetzt viele Schüler:innen massive Lernrückstände. Ein Konzept, wie sie wieder aufgeholt werden können, scheint es bisher nicht zu geben.


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