Die Kritik an dem Emirat Katar wächst: Amnesty International fordert Aufklärung von Todesfällen unter Arbeitsmigrant:innen, die seit über zehn Jahren auf der arabischen Halbinsel arbeiten.

Amnesty International kritisiert in einer Veröffentlichung, dass Totenscheine in Katar ausgestellt werden, ohne die Todesursachen näher zu bestimmen. Mitunter werden den Verstorbenen „natürliche Ursachen“ oder „Herzfehler“ attestiert, obwohl Obduktionen nie stattgefunden hätten.

Laut Amnesty International müssen die Arbeitsbedingungen vor Ort sehr schlecht sein. Es sei unbegreiflich, wie junge gesunde Arbeiter:innen nach vielen Arbeitsstunden in der Hitze plötzlich versterben könnten. Daher wird gefordert, dass alle ungeklärten Todesfälle untersucht werden. Sollten die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird, derart schlecht sein, so müssten unverzüglich Arbeitsschutzmaßnahmen ergriffen werden. Katar komme derzeit seiner Verantwortung gegenüber den Arbeiter:innen nicht nach.

Amnesty International berichtet, dass rund siebzig Prozent der Sterbefälle ungeklärt seien. Zu diesem Ergebnis kam eine Auswertung von achtzehn Totenscheinen, die von Katar zwischen 2017 und 2021 ausgestellt wurden. Allein fünfzehn gaben keine konkreten Todesursachen an, stattdessen wurden Formulierungen gewählt wie „akutes Herzversagen“, „natürliche Ursachen“, „unspezifisches Herzversagen“ oder „akutes Atemversagen aufgrund natürlicher Ursachen“. Seit 2015 lassen sich diese Formulierungen auch auf Totenscheinen von Arbeiter:innen finden, die an den Fußballstadien für die Fußballweltmeisterschaft 2022 arbeiten.

Fehlende Obduktionen

Sechs Männer, die aus Nepal und Bangladesch nach Katar migriert sind und laut ihrer Familien bei bester Gesundheit waren, sind vor Ort verstorben. Sie arbeiteten als Bauarbeiter, Wachmann und LKW-Fahrer und hatten alle medizinischen Voruntersuchungen absolviert. Keinem der Angehörigen wurde eine Obduktion angeboten, um die genauen Todesumstände klären zu können. Sollten die Arbeitsbedingungen für deren Tod verantwortlich sein, spart sich das Emirat so die Entschädigungszahlungen.

Die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar hat zwar zu einigen Arbeitsrechtsreformen geführt. An der extremen Ausbeutung von Arbeitsmigrant:innen hat dies jedoch nicht viel verändert. Laut offizieller Statistiken des Emirats sind zwischen 2010 und 2019 über 15.000 Staatsangehörige anderer Staaten in Katar verstorben. Katar geht seit 2015 von 35 Toten aus, die im Zusammenhang mit WM-Projekten verstorben sind.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.