Menschen in Deutschland haben im vergangenen Jahr soviel gespart wie noch nie. Das ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass sie im Überfluss verdient haben und viel zur Seite legen konnten.

Die privaten Haushalte sind „so reich wie nie“, gibt die DZ-Bank in ihrem Bericht heraus. Das Geldvermögen dürfte im vergangenen Jahr um rund 7 Prozent gewachsen sein. Die Zahlen sind ein vorläufiger Indikator, bis die Bundesbank eine genauere Statistik veröffentlicht. Doch ist das ein Zeichen für Erleichterung, dass viele Arbeiter:innen von ihrem Einkommen sogar etwas zurücklegen konnten?

Unsicherheit durch die Wirtschaftskrise und Pandemie

Das vergangene Jahr bedeutete für viele eine Mehrbelastung durch die Wirtschaftskrise. Im Zuge von Lieferengpässen und durch die Pandemie verschärft waren zu Hochzeiten 3,7 Millionen Arbeiter:innen von Kurzarbeit betroffen.

Viele weitere lebten mit der Unsicherheit um ihre Beschäftigung und ihr Einkommen. Dass die Sparquote im Krisenjahr zwischenzeitlich bei hohen 16,1 Prozent lag, dürfte auch auf diese Unsicherheit zurückzuführen sein. Statt große Anschaffungen zu tätigen haben viele Sparer:innen ihr Geld lieber zurückgelegt.

Auch die Möglichkeiten, Geld auszugeben, waren während der Pandemie stark eingeschränkt. Teure Auslandsreisen, auf die viele Sparer:innen hinarbeiten, waren nur höchst eingeschränkt möglich, Reiserücktritte auf einem Rekordhoch.

Verteilung unklar

Ein weiterer Punkt, der die Entlastung von Arbeiter:innen duch hohe Ersparnis in Frage stellt: Die Nachfrage nach Schuldnerberatungen ist deutlich gestiegen. Schon im ersten Halbjahr des Jahres 2021 berichtet die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung von rasant wachsender Beratungsnachfrage.

Zu Beginn der Pandemie hätten viele noch ihr Erspartes aufbrauchen können, doch das sei irgendwann aufgebraucht und steigende Lebenshaltungskosten gäben vielen den Rest.

Das macht deutlich: Die hohe Sparquote bezieht sich auf alle privaten Haushalte. Die allerreichsten privaten Haushalte in Deutschland können exorbitante Gewinne gemacht haben, die einkommensschwächsten Prozent in Deutschland kämpfen vermehrt mit Überschuldung. Darüber sagt die Statistik der DZ-Bank nichts aus.

Teuerungen

Angesichts steigender Gas- und Strompreise werden einige Haushalte bei der nächsten Rechnung ihres Energieversorgers das Ersparte antasten müssen. Denn diese Preise steigen gerade Exorbitant, der Börsenpreis für Strom zuletzt um 400 %.


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