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Sonntag, April 14, 2024
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    Von der Vermögensverwaltung zum Wirtschaftsministerium

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    Ex-BlackRock-Ökonomin Elga Bartsch soll die Grundsatzabteilung im Wirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) leiten. Sie soll dort als Expertin für die wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise tätig sein. 

    Das berichten unter anderem die Deutsche Presse-Agentur und das Handelsblatt. Bartsch soll als neue Chefökonomin gemeinsam mit dem zuständigen Staatssekretär Sven Giegold die ökonomische Ausrichtung des Ministeriums prägen. Das Ziel sei laut Koalitionsvertrag, die soziale Marktwirtschaft zu einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft umzuformen. Als neue Abteilungsleiterin muss sie vom Kabinett allerdings noch bestätigt werden.

    Elga Bartsch arbeitete zuvor für den US-amerikanischen Konzern BlackRock. BlackRock ist die größte Vermögensverwaltungsfirma der Welt. Die Aufgabe des Konzerns ist simpel: Reiche durch geschicktes Investieren noch reicher machen. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Larry Fink verwaltet der Konzern 10 Billion US Dollar und zählt damit zu den reichsten und mächtigsten Konzernen der Welt. Im Vergleich dazu: Das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland lag 2021 bei nur 3,6 Billion Euro.

    BlackRocks Einfluss in Deutschland

    Auch in Deutschland ist BlackRock der größte Investor. Laut einer Studie des Deutschen Investor Relations Instituts und des Finanzdienstleister S§P Global gehören ihm zehn Prozent des Leitindex’ DAX. Bei Konzernen wie Vonovia, RWE oder Qiagen ist BlackRock sogar der größte Anteilseigner. Damit nimmt der Vermögensverwalter auch großen Einfluss auf die Unternehmen.

    Dies geschieht sowohl in Hinterzimmergesprächen mit dem Vorstand oder Aufsichtsrat wie auch bei den Hauptversammlungen, auf denen alle Aktionär:innen über die Entscheidungen ihres Unternehmens abstimmen dürfen. Dort gilt die Regel: pro Aktie eine Stimme. In der Abstimmung setzt sich damit meistens der größte Anteilseigner durch.

    Porsche-Aktiengang zeigt erneut die Macht von Vermögensverwaltern wie BlackRock und Co.

    Es ist nicht das erste Mal, dass ein:e Ex-Mitarbeiter:in von Blackrock Einzug in die deutsche Politik hält. So war der CDU-Bundesvorsitzende und Oppositionsführer Friedrich Merz langjähriger Vorstandsvorsitzender einer BlackRock-Tochterfirma und stand in dieser Funktion auch in regelmäßigem Kontakt zum Finanzministerium.

    Von Vermögensvermehrung zur sozial-ökologischen Marktwirtschaft

    Die Ökonomin Elga Bartsch soll ihren Forschungen zufolge eine Expertin bei Risiken der Klimakrise für die Wirtschaft und deren ökonomische Modellierung sein, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Mit ihr als Abteilungsleiterin soll die Umstellung zur sozial-ökologischen Marktwirtschaft gelingen. Mit andern Worten: Bartsch soll sicherstellen, dass Unternehmen trotz der (oder durch die) Klimakrise weiter Profite einfahren.

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