Seit Anfang Dezember streiken Tag für Tag bereits mehrere 100.000 Arbeiter:innen in den verschiedensten Bereichen öffentlicher Arbeit für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Jetzt legten zehntausend Krankenwagenfahrer:innen ihre Arbeit nieder.

Die Streiks im Vereinigten Königreich halten an. Mit mehreren Streiks pro Tag ist das die größte Streikwelle seit Anfang der 1980er Jahre. Während etwa die Gewerkschaften der Bahn, Post, Bussbetriebe und Flughäfen ihre Streiks bereits begonnen haben, fand nun am Mittwoch der erste Streiktag der Krankenwagenfahrer:innen statt. Die Forderungen gleichen sich: Eine Lohnerhöhung die mindestens die aktuelle Inflationsrate von 10.7% ausgleicht. Ähnlich wie andere Gewerkschaften, haben sich die Streikenden mit den aktuellen Angeboten der Arbeitgeber:innen nicht abgefunden. So lehnten die Krankenwagenfahrer:innen die vorgeschlagenen Lohnerhöhung von 4% von Seiten der Regierung ab.

Massenstreiks in Großbritannien

Anfeindungen der Regierung

Scharfe Worte wählte der Gesundheitsminister Steve Barclay. In der konservativen Zeitung Daily Telegraph warf er den Streikenden vor, sich bewusst dafür entschieden zu haben, Patienten zu schaden. Die Gewerkschaften wiesen dies als “irreführend” und “im schlimmsten Fall vorsätzliche Panikmache” zurück. Akute Notfälle würden auch während des Streiks versorgt. Sie warfen der Regierung zu spätes Handeln vor, den dringenden Ausbau des überlasteten Gesundheitswesens voranzutreiben. Schuld an Verletzen und Toten lägen am Versäumnis der Regierung und nicht an berechtigten Streiks.

Bevölkerung soll besonders vorsichtig sein

In Vorbereitung auf den Streik, hielt die britische Regierung die Bevölkerung an, Kontaktsport, unnötige Autofahrten und andere Risikoaktivitäten zu vermeiden, um so möglichen Verletzungen vorzubeugen. Auch das Militär kam zum Einsatz. So fuhren hunderte Soldat:innen am Mittwoch Krankenwägen, viele zum ersten Mal. Zudem wurde die Bevölkerung angewiesen auf andere Möglichkeiten wie Taxis zurückzugreifen, um zum Krankenhaus zu gelangen.

Der Streikwinter wird weitergehen

Da die Regierung bisher auf keine der Forderungen der Streikenden eingegangen ist, kündigten  die Gewerkschaften der Krankenwagenfahrer:innen bereits den nächsten Streiktag an. Dieser soll am 28. Dezember erfolgen. Auch in anderen Bereichen werden die Streiks wohl über den Winter hinweg weitergehen. Außerdem kommen immer weitere Bereiche der öffentlichen Arbeit hinzu, die ihre Arbeit niederlegen werden, um für bessere Löhne, Renten und Arbeitsbedingungen zu kämpfen.


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