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Samstag, Juli 13, 2024
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    Inklusion: Höcke will ganz abschaffen, was die Regierungsparteien nur dürftig umsetzen

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    Im MDR-Sommerinterview hat Björn Höcke erneut für Aufruhr gesorgt, als er sich für die Abschaffung des „Ideologieprojekts“ Inklusion aussprach. Gleichzeitig machen andere Parteien nicht mehr als Lippenbekenntnisse zur tatsächlichen Unterstützung von Kindern mit Behinderung an Schulen. – Ein Kommentar von Michael Koberstein

    Dass der Faschist Björn Höcke der Thüringer AfD etwas Kontroverses äußern wurde, war eigentlich zu erwarten, als der MDR ihn zum Sommerinterview einlud. Höcke sprach nun davon, dass schulische Inklusion von Menschen mit Behinderung ein „Idelogieprojekt“ sei, von dem das Bildungssystem „befreit“ werden müsse.

    Bei dem Begriff “Inklusion” geht es darum, dass Menschen mit Handicap auch an regulären Schulen unterrichtet werden dürfen – so wie es in der UN-Behindertenrechtskonvention steht, die Deutschland unterzeichnet hat.

    Die Empörung über Höcke war groß, so sprach die ehemalige Bundesgesundheitsminsterin Ulla Schmidt (SPD) von einem „Tabubruch“.

    „Inklusion“ nur auf dem Etikett

    Tatsächlich wird die derzeit existierende Inklusion von Eltern behinderter Kinder vielfach kritisch gesehen – weil sie nicht richtig umgesetzt wird. Oft fehlt es nämlich an entsprechend ausgebildeten Lehrkräften, die diese Kinder unterstützen können. Die Klassen sind gleichzeitig zu groß bei zu wenig Inklusion. Das ist auch der Fall in Bundesländern, in denen SPD und Grüne mitregieren.

    Zwar ist die Anzahl derjenigen Schüler:innen an Regelschulen angestiegen, die offiziell eine Lernbehinderung oder eine Behinderung in der geistigen Entwicklung haben. Das liegt aber wohl eher daran, dass Schulen dann mehr Lernressourcen bekommen, wenn sie mehr Kinder mit Behinderung aufnehmen, was dazu führt, dass bei vielen einfach schneller eine Behinderung diagnostiziert wird.

    Somit werden mehr Kinder als behindert eingestuft, womit deren Zukunft eingeschränkt wird, während die Schulen gar nicht wirklich mehr Kinder mit Behinderung aufnehmen, ihnen somit auch nicht mehr geholfen ist.

    Wenig Geld für Bildung trifft besonders Förderschulen

    Insgesamt ist der Lehrkräftemangel ein großes Problem und gerade in diesem Bereich wird das deutlich. Von der Covid-Pandemie waren z.B. Förderschulen besonders hart betroffen.

    Hinzu kommt noch, dass in dem neuen Haushaltsentwurf ca. 1 Milliarde Euro weniger für Bildung insgesamt vorgesehen ist, also auch weniger Geld für Förderschulen. Zudem wird beim BAföG und den Jugendhilfen gespart.

    Höcke geht es nicht darum, statt der Inklusion nun die Förderschulen stärker zu unterstützen, er lässt die Frage, wie stattdessen Kinder mit Handicap unterstützt werden sollen, einfach offen. Polemisch spricht er davon, dass „gesunde Gesellschaften… gesunde Schulen (brauchen)“. Inklusion und das Gendern seien “Projekte”, die „unsere Schüler nicht weiterbringen, die unsere Kinder nicht leistungsfähiger machen und die nicht dazu führen, dass wir aus unseren Kindern und Jugendlichen die Fachkräfte der Zukunft machen.” Zu „unseren“ Kindern zählt er offensichtlich keine mit Behinderung.

    • Perspektive-Autor seit 2023 und Kommunist aus dem Südwesten. Interessiert sich für soziale Kämpfe und imperialistische Außenpolitik

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