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Samstag, Dezember 9, 2023
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    Wohnungslosigkeit stieg im letzten Jahr um fast 60 Prozent

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    Die Anzahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um fast 60 Prozent gestiegen. Im Verlauf des Jahres 2022 waren rund 607.000 Personen ohne Wohnung, im Jahr 2021 waren es noch circa 383.000 Menschen. Das liegt unter anderem an der Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine und anderen Ländern, denn wer im Flüchtlingsheim lebt, gilt offiziell als wohnungslos.

    Während des Auftakts ihrer diesjährigen Bundestagung stellte die “Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe” (BAGW) am Mittwoch ihre Hochrechnung zur Wohnungslosigkeit vor. Demnach ist die Zahl der Wohnungslosen im vergangenen Jahr von 383.000 auf rund 607.000 Personen gestiegen. Es waren somit im Jahr 2022 rund 60% mehr Menschen wohnungslos als im Vorjahr 2021.

    Die BAGW ist der bundesweite Dachverband der Dienste und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfen in Deutschland. Die Jahresgesamtzahl an Wohnungslosen ist das Ergebnis einer Hochrechnung, die die BAGW jährlich auf der Grundlage verschiedener Statistiken und Zählungen durchführt, um die annähernde tatsächliche Wohnungslosigkeit in Deutschland zu berechnen.

    Das Statistische Bundesamt ermittelt nur die Zahlen der institutionell untergebrachten wohnungslosen Personen zu einem bestimmten Stichtag, trifft jedoch keine Aussage darüber, wie viele Menschen bei Freund:innen oder Bekannten unterkommen und wie viele ganz ohne Obdach sind. Nach Schätzungen der BAGW lebten 2022 von den rund 607.000 Wohnungslosen etwa 50.000 auf der Straße.

    Die Steigerung der Wohnungslosigkeit sei auch auf die hohen Geflüchtetenzahlen zurückzuführen, so die BAGW. Unter anderem gelten auch Menschen, die in Geflüchtetenunterkünften leben, wie z.B. viele der Ukrainer:innen, als wohnungslos. Der Anstieg der Wohnungslosen ist dennoch nicht nur auf die Aufnahme von Geflüchteten im letzten Jahr zurückzuführen. Sie erklärt zwar die rasante Steigerung um fast 60 Prozent, nicht aber den stetigen Anstieg, der bereits seit einigen Jahren beobachtet werden kann.

    Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind deutlich häufiger betroffen

    Je nach Herkunft zeigen sich deutliche Unterschiede in der Wohnungslosen-Statistik. So stieg die Wohnungslosigkeit unter Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit um 5%, diejenige unter Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft jedoch um 118% an.

    Unter den deutschen Wohnungslosen ist der Anteil der Single-Haushalte mit 58% deutlich höher, während er bei den nicht-deutschen Wohnungslosen nur 27% beträgt. Das liegt daran, dass die Wohnungslosigkeit bei Menschen mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft weniger Einzelpersonen und mehr Familien betrifft.

    Auch die Anzahl der wohnungslosen Kinder und Jugendlichen ist unter Nichtdeutschen erhöht. So machen Kinder und Jugendliche insgesamt 26% der Wohnungslosen aus. Bei den deutschen Wohnungslosen liegt der Anteil der Minderjährigen jedoch bei 9%, während er bei den Kinder und Jugendlichen ohne deutsche Staatsbürgerschaft bei 34% liegt.

    Kündigung und Flucht

    Auch die Gründe für Wohnungslosigkeit unterscheiden sich: Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, sind dies in der Regel aufgrund ihrer Flucht. Sie hatten in den meisten Fällen noch nie eine Wohnung in Deutschland.

    Deutsche, die wohnungslos werden, werden dies zu 57% aufgrund einer Kündigung. In 21% der Fälle waren die Gründe Miet- und Energieschulden, in 20% Konflikte im Wohnumfeld und in 16% der Fälle war der Grund eine Trennung oder Scheidung.

    Wohnraummangel und Preissteigerungen

    Die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, Werena Rosenke, erklärt zum Anstieg der Wohnungslosigkeit: „Inflation, gestiegene Kosten und steigende Mieten belasten einkommensschwache Haushalte in Deutschland. Dies führt zu (Energie-)Armut, Mietschulden und Wohnungsverlust.“

    Diese Faktoren kommen ihrer Aussage nach zusammen mit einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Deutschland, aber auch den besonderen Vorurteilen und Diskriminierung, mit denen Menschen, die schon ohne Wohnung sind, bei der Wohnungssuche betroffen sind.

    Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum stelle jedoch das Hauptproblem dar. „Deutsche wie nicht-deutsche Wohnungslose können daher nicht angemessen mit eigenem bedarfsgerechtem Wohnraum versorgt werden.“, so Rosenke.

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