Mehr als 250 Menschen beim „Polit-Wochenende“ des „Revolutionären Bündnis Zürich“. Gäste aus Deutschland, den USA und Ehemaligen des „International Freedom Bataillon“ (IFB).


Am 22. und 23. April veranstaltete das „Revolutionäre Bündnis Zürich“ wie jedes Jahr im Vorfeld des 1.Mai ein Polit-Wochenende mit zahlreichen Podiumsveranstaltungen und Info-Zelten auf dem Kanzlei-Areal in Zürich. Das diesjährige Motto war der Slogan „Schulter an Schulter gegen den Faschismus“, in dem die aktuelle Bedrohung durch den Faschismus wie auch die Perspektive zu seiner Bekämpfung deutlich wird. Dieses Motto wurde von den verschiedenen ReferentInnen in den Vorträgen immer wieder aufgegriffen.

Eröffnet wurde das Wochenende mit einem Vortrag unter dem Titel „Rebellion als Massenbetrug“. Der Referent Jon Lütten (Autor, „Melodie und Rhythmus“) kritisierte hier diverse – sich aus seiner Sicht nur links(radikal) gebende –  Musikgruppen wie „Feine Sahne Fischfilet“, „Sokee“ oder „Neonschwarz“ für ihre schein-rebellische, aber in Wirklichkeit angepasste Haltung. An den Texten der KünstlerInnen sollte aufgezeigt werden, dass ihre Behandlung von Feminismus, Antifaschismus und Antirassismus eine moralisierende Mittelschicht-Position nicht überwinde und die bürgerlich-kapitalistische Ordnung unangetastet lasse.

Weiter ging es mit einer Kunst-Versteigerung in Solidarität mit den Kämpfenden in Rojava. Rund 2000 Schweizer Franken konnten für die „Celox-Kampagne“ gesammelt werden. Celox ist ein schnell wirkendes und damit lebensrettendes Medikament zur Blutstillung, das jedoch mit 60 Dollar pro Packung sehr teuer ist. Diese Auktion war ein großer Erfolg für Zürich und Rojava.

Thematisch passend gab es am späten Nachmittag den Vortrag eines Vertreters der „Vereinten Revolutionären Bewegung der Völker“ (HBDH) über die Situation des revolutionären Kampfes in der Türkei und Kurdistan. Es wurde ein kurzer Abriss über die Geschichte von Revolution und Konterrevolution in der Türkei gegeben, die zuletzt in der Gründung der HBDH auf der einen Seite und der Errichtung einer Präsidial-Diktatur auf der anderen Seite gemündet sei. Die HBDH ist ein Zusammenschluss verschiedener revolutionärer und bewaffneter Gruppierungen, wie etwa der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder der „Marxistisch-Leninistischen Kommunistischem Partei“ der Türkei/Kurdistans (MLKP).

Die letzte Veranstaltung des Tages versammelte vier `Internationalisten‘ auf dem Podium, welche zu verschiedenen Zeiten in Rojava aktiv waren. Sie sprachen über ihre jeweilige Motivation, in das Land der Revolution zu reisen, und berichteten über ihre Erfahrungen und Schlussfolgerungen. Einer der Referenten erzählte vom Aufbau des „International Freedom Bataillon“ (IFB), den anfänglichen Schwierigkeiten und ihrer Überwindung. Er machte anschaulich, wie es möglich war, dass so unterschiedliche politische Organisationen und Personen eine Einheit bilden konnten, indem beispielsweise anarchistische und marxistisch-leninistische Gruppen ihr gemeinsames Ziel in den Mittelpunkt rückten und ihre Unterschiede in kritischer Solidarität an den Rand. Damit wurde ein lebendiges Beispiel zum Motto des Wochenendes gegeben. Ein anderer Vertreter aus Spanien sprach im Namen eines Genossen, der wegen seiner Aktivität in Rojava ein Ausreiseverbot aus Spanien hat und nun auf sein Gerichtsverfahren wartet. Er berichtete über die Repressionen des spanischen Staates und die gemeinsame Arbeit dagegen. Abschließend gab es eine Diskussion mit dem Publikum über die Fortsetzung der internationalen Solidarität mit Rojava, in der einer der Sprecher dazu aufrief, den Kampf gegen die schmutzige Zusammenarbeit der Staaten und Regierungen mit reaktionären Regimen, wie denen von Erdogan oder Barzani, aufzunehmen.

Der Samstag ging zu Ende mit einer Solidaritätsaktion für Nekane, eine baskische Aktivistin, die in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft sitzt. Unter anderem wurde auch für sie das ganze Wochenende aufgezeichnet, damit sie es später über „Radio LoRa“, einen alternativen Radiosender, hören kann.

Den Sonntag eröffnete der linke Publizist und Autor Markus Bernhardt. Er referierte über Nazi-Strukturen in Deutschland und ihre Entwicklung in Zeiten eines allgemeinen Rechtsrucks, darüber hinaus über Rechtsterrorismus und seine Verbindungen hinein in den deutschen Staatsapparat. Er kam zu der Schlussfolgerung, dass in Deutschland vor der Zerschlagung des Rechtsterrorismus erst die deutschen Inlandsgeheimdienste abgeschafft werden müssten.
Der Antifaschismus stand auch im Zentrum der nächsten Veranstaltung zu linken Vorgehensweisen gegen rechte Hetze. Hier wurde versucht, eine Analyse der Entwicklung nach „Rechts“ zu liefern und revolutionäre Gegenstrategien mit dem Publikum zu diskutieren.

Das Wochenende fand seinen Abschluss mit Jeremy Glick aus den USA. Glick ist Literaturwissenschaftler und linker Aktivist aus New York und berichtete von dem sich entwickelnden Widerstand in den USA. Die Krise der linksliberalen Elite und der demokratischen Partei habe nicht nur Trump hervorgebracht, sondern auch zu einem erneuten Aufschwung des Widerstandes von unten geführt, den man an der „Black Lives Matter“- oder der Anti-Trump-Bewegung sehen könne. Er wies Positionen zurück, die die „weiße männliche Arbeiterklasse“ für den Sieg Trumps verantwortlich machen möchten und betonte, dass Identitätspolitik auch Klassenpolitik sei. Seiner Meinung nach brauche es in den USA mehr Einheit und weniger „Sektierertum“ auf Seiten der revolutionären Kräfte. In Anspielung auf den Namen einer der Organisatoren dieses Wochenendes forderte Jeremy „More `Aufbau‘, less bullshit“. Dies war ein Aufruf an die Linke, nicht nur in den USA. Dieser Aufruf wurde an dem Wochenende in Zürich umgesetzt.