Die Anzahl der US-Luftangriffe auf Afghanistan hat sich 2017 verdreifacht, die Zahl der zivilen Opfer sogar verfünffacht.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat sich die Anzahl der durch die US-Luftwaffe geführten Angriffe und Bombardements gegen Ziele in Afghanistan im Vergleich mit dem Vorjahr verdreifacht. Laut dem Sprecher der US-Streitkräfte in Kabul, William Salvin, wurden zwischen Januar und April 898 Luftschläge ausgeführt. Im gleichen Zeitraum seien es 2016 weniger als 300 gewesen, so Salvin gegenüber dpa. Während der Angriffe wurden laut Statistiken der US-Luftwaffe 917 Geschosse, die meisten davon Raketen, abgefeuert. Im gesamten vergangenen Jahr waren es nur rund 1300 gewesen.

Parallel zu den verstärkten Angriffen der US-Luftwaffe steigen auch die Zahlen der zivilen Opfer. Die Vereinten Nationen (UN) haben im ersten Vierteljahr 2017 offiziell 72 tote und 76 verletzte Zivilisten gezählt – fast das Fünffache der Opferzahl im Vergleich zum selben Zeitraum des vergangenen Jahres. Schon 2016 war die Anzahl ziviler Opfer durch Luftangriffe laut UN stark gestiegen – um 99 Prozent auf 250 Tote und 340 Verletzte.

Im Juni 2016 hatte der damalige US-Präsident Barack Obama der US-Luftwaffe erweiterte Befugnisse für Militäroperationen in Afghanistan gegeben. Bei solchen Operationen werden Stellungen der Taliban und des sogenannten „Islamischen Staats“ bombardiert. Die steigende Zahl der Angriffe weist auf eine erhöhte Aktivität dieser islamistischen Terrororganisationen und eine weitere Destabilisierung des Landes hin. Trotz dieser Entwicklung aber schiebt die deutsche Bundesregierung zunehmend mehr Flüchtlinge nach Afghanistan ab, da das Land weiterhin als „sicheres Herkunftsland“ eingestuft wird.