Das Bundesland Thüringen ist laut Beobachtern der rechten Szene zum Veranstaltungsort Nummer 1 für faschistische Konzerte geworden.

Laut der „Mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ (Mobit) hat sich die Anzahl der Konzerte und Openair-Veranstaltungen in den Jahren 2007 bis 2016 von 25 auf 50 verdoppelt. Im Mai 2015 kamen zum Beispiel unter dem Namen „Rock für Identität“ 1500 Neonazis nach Hildburghausen, im darauf folgenden Jahr waren es schon weit mehr als 3500 Besucher aus mehreren europäischen Ländern. Für das Jahr 2017 sind viele weitere Konzerte und Veranstaltungen geplant – unter anderem ein Treffen von Holocaust-Leugnern im August. Für den 1. April mobilisierten Rechte unter dem Motto „Good Night Left Side“ zu einem Festival nach Thüringen. Die selben Veranstalter organisierten schon im Herbst 2016 in der Schweiz ein ähnliches Festival mit 5000 bis 6000 Besuchern.

Seit dem Jahr 2015 sind in Thüringen die rassistisch motivierten Straftaten um 30 % gestiegen, vor allem die Gewalt gegen Frauen und Kinder nahm die beträchtlich zu. Obwohl auf 100 Menschen in Thüringen nur 2,8 Migranten kommen, hat die rassistische Partei AfD es auf 19 % in diesem Bundesland geschafft.

Hintergrund der Anziehungskraft Thüringens ist laut dem Soziologen Matthias Quent vor allem die Stärke der rechten Szene:„Man zündet dort die Heime an, wird von Unterstützer_innen umjubelt und als Konsequenz schafft die Bundesregierung das Asylrecht ab. Davon hat die Szene gelernt und daraus hat sich auch der NSU gegründet. Diese Erfolgsgeschichten spielen auch heute noch eine wesentliche Rolle.“ Staatliche Gelder haben einen wichtigen Anteil an der Entstehung der rechten Szene und des NSU in Thüringen gespielt. So baute das thüringische „Landesamt für Verfassungsschutz“ mit Hilfe des Neonazis Tino Brandts eine `Anti-Antifa‘-Gruppe auf, welche sich später „Thüringer Heimatschutz“ nannte. Drei Gruppenmitglieder, Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, gingen in den Untergrund und ermordeten in den nächsten Jahren im Namen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) mindestens 9 Migranten. Tino Brandt bekam in den 7 Jahren, in denen er für den Verfassungsschutz arbeitete, 200.000 Euro als Gehalt. Auf die Frage, ob dieses Geld auch an die NSU-Mitglieder ging, antwortete er mit: „Ja, die drei gehörten doch zu uns…“.