Eine Studie der Universität Göteborg zeigt: Über 60 Prozent aller Tierarten an den Küsten Schwedens wurden bereits ausgerottet.

In den Jahren 1920-1930 wurde in den Nordseeregionen Skagerrak und Kattegat eine Bestandsaufnahme der heimischen Meeresbewohner unternommen. An über 500 Stellen sammelte und archivierte ein Forschungsteam Meeresproben. Zwischen 2004 und 2009 sammelten ForscherInnen erneut an den gleichen Stellen, mit den gleichen Instrumenten und zu den gleichen Jahreszeiten Proben, sodass die Daten direkt miteinander verglichen werden konnten. Das Ergebnis ist erschreckend: Über 60 Prozent der damals heimischen Tierarten sind bereits ausgerottet. Außerdem haben sich die Bestände bei 75 Prozent der verbleibenden Arten verringert. Nur 17 Prozent sind genauso zahlreich vertreten wie früher.

Die Analyse der Studie wurde vor kurzem in der Fachzeitschrift „Marine Biodiversity“ veröffentlicht. Die AutorInnen können zwar keine konkreten Angaben über die Ursachen der Artenrückgänge machen. Es steht jedoch „außer Frage“, dass „der Mensch eine maßgebliche Rolle spielt“, wie dem schwedischen Rundfunk berichtet wurde. Beispiele für sich auf die Umwelt negativ auswirkende, vom Menschen gemachte Faktoren sind Überfischung, Wasserverschmutzung, Schleppnetzfischerei, Einfuhr das örtliche Ökosystem gefährdender Spezies, Zerstörung der Lebensräume oder der Klimawandel.

Das rasante Artensterben ist kein regionales Phänomen der Nordsee, sondern ein globales. Das Verschwinden von immer mehr Tierarten und deren Lebensräumen ist nicht direkt gewollt, sondern ein Nebenprodukt der menschlichen Handlungsweise und Dominanz. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren für globale Veränderungen entwickelt. Laut dem Magazin „Science“ sind Tiere den Menschen zwar nicht egal, doch weniger wichtig als „Essen, Arbeit, Energie, Geld und Entwicklung“. Der Einfluss von Tieren auf funktionierende Ökosysteme, von denen die Menschen direkt abhängen, wird dabei nicht beachtet. Beispielsweise sind heute 2,6 Milliarden Menschen, die an den Küsten wohnen, direkt von Meerestieren als Nahrungsquelle abhängig.

In naher Zukunft werden noch mehr Menschen, ca. 9 Milliarden, auf der Erde leben. Das bedeutet, dass auch der Einfluss des Menschen auf das globale Ökosystem wachsen wird, der so genannte „ökologische Fußabdruck“. Dieser ist maßgeblich von dem materiellen Umgang mit der Natur geprägt: Wie viele Rohstoffe werden gefördert und verbraucht, wie viele Tiere und Pflanzen werden z.B. für Nahrung benutzt usw. Es geht also um die Produktion und den Verbrauch von Gütern. Dieser Bereich ist zurzeit global nach dem Prinzip des „freien Marktes“ organisiert, wobei der Profit von Konzernen im Vordergrund steht. Die Ausrichtung nach Profit ist nicht in der Lage, funktionierende Ökosysteme, Tiere und deren Lebensräume mit in die Planung einzubeziehen: Vielmehr stehen diese Faktoren mit dem Erzielen von Gewinn oft in direktem Widerspruch.

Die europäische Gesellschaft allein lebt auf Kosten von zwei, die der USA auf Kosten von drei Planeten. Allein die in Europa und den USA lebenden Menschen verbrauchen so jedes Jahr 2-3 mal so viele natürliche Rohstoffe, wie die Natur im Jahr reproduzieren kann. Dies liegt unter anderem an dem – mit dem Rest der Welt – vergleichbar hohen Lebensstandard. Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass der weltweite Ressourcenverbrauch deutlich zunehmen wird. Als Ursache dafür gilt auch der wirtschaftliche Aufschwung von bevölkerungsreichen Staaten wie China und Indien.
Die Anzeichen dafür, dass das globale Ökosystem der Belastung durch Ausbeutung und Verschmutzung nicht dauerhaft standhalten kann, sind schon heute deutlich erkennbar. Regionale Studien wie die oben erwähnte der Universität Göteborg zeigen dies genauso wie globale.