Prozessbeginn gegen deutsche Journalistin am 11. Oktober: 15 Jahre Haft gefordert.

Seit nunmehr 100 Tagen sitzt die deutsche Journalistin Mesale Tolu in türkischer Untersuchungshaft. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft wirft ihr Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation und Propaganda für eben eine solche vor.

Beweise für diese Behauptung wurden bisher nicht vorgelegt. In der Anklageschrift werden vielmehr Mesale Tolus Beteiligung an Beerdigungen und Gedenkveranstaltungen, etwa für die in Rojava als Internationalistin gefallene Duisburgerin Ivana Hoffmann, als Straftaten ausgelegt.

Auch Tolus Teilnahme an Protesten gegen Korruption im Jahr 2014 und an Aktivitäten der legalen Frauenorganisation „Sozialistische Frauenräte“ (SKM) werden ihr zum Vorwurf gemacht. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft fordert deshalb bis zu 15 Jahre Haft für Tolu.

Mesale Tolus Anwältin, Kader Tonc, hofft trotz alledem weiter auf einen Freispruch ihrer Mandantin. Sie bleibt jedoch skeptisch. Gegenüber der Tagesschau äußerte Tonc am vergangenen Sonntag: „Wäre es eine unabhängige Justiz, dann wäre es schon gar nicht möglich gewesen, Mesale überhaupt festzunehmen. Wenn es im Oktober zu einem unabhängigen Verfahren kommen würde, dann müsste man sie freisprechen. Aber wenn man die Entwicklungen der vergangenen Zeit in der Türkei betrachtet, dann kann man das wohl nicht erwarten.“