Ein Kommentar zur Facebook-Debatte auf Perspektive Online – von Tim Losowski

Mittlerweile hat unser Facebook-Post zum Überfall türkischer Faschisten auf einen Linkspartei-Wahlkampfstand in Köln rund 200.000 Menschen erreicht. Er wurde rund 1000 Mal geteilt und geliked sowie fast 200 Mal kommentiert.

3.9.17; 17:28 Uhr

Die größte Aufmerksamkeit kam – zumindest den Kommentaren nach – aus der rechten Ecke.

Dabei gab es vor allem Häme über die politische Linke, die nun von ihren „geliebten Goldstücken“ (nämlich Migranten) selbst „die Fresse poliert“ bekommen würde.

Geliebte Goldstücke“?

Blöd nur, dass es sich bei türkischen Faschisten nicht um unsere „geliebten Goldstücke“ (Facebook-Person Erica Glemniz), sondern um unsere jahrelangen politischen Feinde und so vielmehr um die Geschwister der Rechten selbst handelt!

Die türkischen Faschisten – oder auch „Graue Wölfe“ genannt – sind eine Bewegung, die sich ganz offen auf den Nationalsozialismus Hitlers bezieht. Jahrzehntelang hat die linke und revolutionäre Bewegung in der Türkei und Kurdistan bewaffnet mit ihnen gekämpft: gegen ihren Rassismus, gegen ihren Sexismus und gegen ihre Vertretung der Unternehmerinteressen.

Auseinandersetzungen mit den türkischen Faschisten gibt es auch in Deutschland nicht erst seit der Geflüchtetenkrise – sondern seit Jahrzehnten.

Die Geister, die sie riefen“

Laut Aussage vieler Facebook-User hätten „wir“ (damit sind die Linke bzw. die „Gutmenschen“ gemeint) diese „Geister“ gerufen. Auch das ist natürlich Unfug.

Der Großteil unserer türkischen Migranten kam in den 60er Jahren nach Deutschland – gerufen von der deutschen Kapitalistenklasse, die sich billige Arbeitskräfte wünschte. Heute leben diese Menschen in dritter Generation in Deutschland und sind längst Teil der multinationalen Arbeiterklasse in Deutschland geworden.

Selbstverständlich waren und sind nicht alle Türken Faschisten – viele tausende sind sogar fortschrittliche Menschen, die vor den Militärdiktaturen der Türkei geflohen sind. Genau das ist etwas, was viele, die der faschistischen Propaganda auf den Leim gehen, nicht verstehen oder nicht verstehen wollen.

Es ist egal wie du aussiehst, die Frage ist auf welcher Seite du stehst.

In jeder Gesellschaft, unter allen Völkern gibt es gute und schlechte Menschen. Es gibt solche, die egoistisch, engstirnig, sexistisch, kriecherisch, feige sind, und solche, die offen, wissbegierig, gemeinschaftlich, aufgeklärt und mutig sind. Es gibt solche, die rückschrittlichen und rassistischen Ideen und solche, die fortschrittlichen und sozialistischen Ideen anhängen – unter Deutschen, unter Migranten, unter Flüchtlingen.

Für uns bedeutet das jedoch nicht, das Recht von Menschen auf Asyl in Deutschland in Frage zu stellen – denn sie fliehen vor den Zerstörungen, die der Imperialismus in Ihren Ländern anrichtet.

Für uns bedeutet das, dass wir uns mit allen fortschrittlichen Afghanen, Kurden, Türken, Rumänen und vielen mehr zusammenschließen müssen, um gemeinsam eine neue Kultur zu erschaffen. Um solidarisch für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der die ArbeiterInnen die Geschicke der Gesellschaft bestimmen – egal welche Hautfarbe sie haben.