Soziale Ungleichheit zunehmend bei der Wahlbeteiligung bemerkbar.

Der Sozialwissenschaftler Robert Vehrkamp hat im Auftrag der „Bertelsmann Stiftung“ die Verteilung der Wahlbeteiligung in Deutschland untersucht. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland zunehmend die Wahlergebnisse beeinflusst.

Laut Vehrkamp lebe der „typische Nichtwähler“ in Wohnvierteln mit hoher Arbeitslosigkeit, Armut und niedriger Bildung. In solchen Vierteln wählen der Studie zufolge kaum mehr 30 Prozent der BewohnerInnen, in reicheren „gutbürgerlichen“ Stadtteilen würden dem entgegen mehr als 80 Prozent der AnwohnerInnen zur Wahl gehen.

„Wir reden nicht mehr über kleine Unterschiede, die soziale Schieflage wird immer krasser“, so Vehrkamp. Er sieht eine direkte Gefahr für die Demokratie darin, dass die ärmeren Teile der Bevölkerung immer weniger durch die Wahlergebnisse repräsentiert würden.

NichtwählerInnen seien meist der Meinung, dass ihre Stimme ja sowieso nichts ändern würde. „Man ist in der öffentlichen Diskussion viel zu lang davon ausgegangen, dass Nichtwähler bräsig-zufrieden und politisch uninteressiert sind.“ Das sei der Studie zufolge jedoch grundfalsch. Sie seien zwar weder unpolitisch noch zufrieden, „sie erwarten aber nichts mehr von den etablierten Parteien.“

Auch die insgesamt gestiegene Wahlbeteiligung der letzten Landtagswahlen habe an der sozialen Spaltung nichts geändert. Ganz im Gegenteil seien die Abstände sogar gewachsen. Entsprechend seien die Hochburgen und Viertel der NichtwählerInnen für die Parteien größtenteils „wahlkampffreie Zonen“.