Am Donnerstag, 15. Februar, protestierte das „Solidaritätsnetzwerk Cottbus“ gemeinsam mit der neunköpfigen Familie Jahnke gegen die Zwangsräumung ihres langjährigen Lebensmittelpunkts.

Weder Gerichtsvollzieherin noch Stadtverwaltung ließen sich überzeugen, der Familie noch einen Aufschub zu gewähren, um eine tragbare Lösung zu finden.

Eine der ersten Aktionen, dener sich das Solidaritätsnetzwerk Cottbus angenommen hat, ist der Protest gegen die Zwangsräumung und Verdrängung der Familie Jahnke aus dem Stadtteil Gallinchen.

Die Eltern der neunköpfigen Familie hatten sich nach der Rede des Solidaritätsnetzwerks Cottbus (Link) am 3. Februar an die neu gegründete Struktur gewendet und um Hilfe gebeten, da ihnen die Zwangsräumung drohe. Nach Angaben des Solidaritätsnetzwerks war der Familie ihr langjähriger Wohnort von den Vermietern gekündigt worden. Die Zwangsräumung sei vollstreckt worden, obwohl es keinerlei für die Familie denkbaren Alternativen gebe.

Am 11. Februar hatten Mitglieder des Solidaritätsnetzwerks gemeinsam mit einigen syrischen Flüchtlingen die Betroffenen besucht, um einen Plan für die nächsten Tage zu erstellen und der Familie praktisch beim Aufräumen und Zusammenpacken ihres Hausrats zu helfen.

Am 12. Februar unterstützte das Solidaritätsnetzwerk Familie Jahnke bei ihrem Gang zur Stadtverwaltung Cottbus und beim Einreichen eines Widerspruchs beim Amtsgericht Cottbus. Außerdem stattete das Solidaritätsnetzwerk der Vermieterfirma „Litzke Immobilien“ einen Besuch ab, um direkt die Rücknahme der Kündigung zu fordern. Diese lehnte es nach Angaben des Netzwerks jedoch ab, ihre Entscheidung zu überdenken.

Somit kam es am 15. Februar zum Zwangsräumungstermin. Hier waren rund 25 TeilnehmerInnen dem Aufruf des Solidaritätsnetzwerks Cottbus gefolgt und führten eine Protestkundgebung unmittelbar vor dem Tor zum Hof der Familie Jahnke durch. Das erklärte Ziel, die Zwangsräumung im letzten Moment zu stoppen, konnte dabei nicht erreicht werden. Die Gerichtsvollzieherin führte die Räumung unter massiver Polizeibegleitung wie geplant durch. Die Protestierenden riefen Parolen wie: „Solidarität mit den Kindern, Zwangsräumung jetzt verhindern!“ oder „Wohnraum ist ein Menschenrecht!“.

Thomas Hoffmann, Pressesprecher für das Solidaritätsnetzwerk Cottbus, betonte dabei: „Wir sind heute hier, weil das, was der Familie Jahnke widerfährt, bei weitem kein Einzelfall ist. Was dieser Familie hier passiert, ist die tagtägliche Realität von vielen Menschen in ganz Deutschland. Schauen wir uns die Situation in den Ballungszentren an, schauen wir uns den Mietspiegel in Städten wie Berlin, Köln oder München an, dann verstehen wir, dass hunderttausende Menschen von der Verdrängung an die Stadtränder und dem Verlust ihres bisherigen Wohnorts bedroht sind.“

Die Protestierenden kündigten an, ihre Arbeit gegen sämtliche Ungerechtigkeiten in der Stadt Cottbus, die den ArbeiterInnen, Angestellten, Arbeitslosen, Frauen und MigrantInnen widerfahren, fortzusetzen.