Studien beleuchten den Mindestlohn und berichten von Lohnungerechtigkeit

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung ergab: Auch wenn der Mindestlohn schon lange gesetzlich verpflichtend ist, werden viele ArbeiterInnen noch nicht entsprechend bezahlt. Genauer seien im Jahr 2,7 Millionen Beschäftigte nicht rechtmäßig entlohnt worden, das ist fast jede/r Zehnte. Die Studie bezieht sich dabei auf das Jahr 2016, der damalige Mindestlohn betrug 8,50 Euro. Auch wenn die Zahlen nun 2 Jahre zurückliegen, merkt einer der beteiligten Forscher, Dr. Toralf Pusch, an: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich das Problem seitdem erledigt hat.“

Erwerbsuntergrenze als Standardsicherung?

Der erste Eindruck seit Einführung des Mindestlohns sei positiv. Im niedrigsten Lohnsektor seien Löhne gestiegen und das Armutsrisiko gesunken. Das sei daran zu erkennen, dass der Anteil derjenigen, die Anspruch auf Leistungen nach Hartz IV hätten, zurückging. Dabei liegt der Mindestlohn auch heute noch unter der Niedriglohnschwelle, diese wird bei einem Stundenlohn von 10 Euro angesetzt. Studien, ebenfalls durchgeführt von der Hans-Böckler-Stiftung, zeigen aber auch: Jede Lohnerhöhung der letzten Jahre war inflationsbereinigt nur sehr gering, die Reallöhne sind in kaum gestiegen.

Deutscher Mindestlohn im Vergleich

Eine Lohnuntergrenze gibt es in 22 Staaten der EU, die Lohnentwicklungen sind überall ähnlich. Die einzigen dieser Nationen, in denen es Anfang 2018 keine Erhöhung gab, waren Luxemburg, Griechenland und Deutschland. Die größten Lohnsteigerungen gab es der Studie nach in osteuropäischen Ländern, beispielsweise sei er in Rumänien um 52 Prozent angehoben worden – von einem entsprechend geringen Niveau und bei gleichbleibend wenig ausgebautem Sozialversicherungssystem. Die Forscher betonen, dass gerade der deutsche Mindestlohn sehr niedrig angesetzt sei, er erreiche nicht einmal den Medianlohn, also das Gehalt, dass die meisten Menschen in Deutschland ausgezahlt bekommen.  Auch im Vergleich mit westeuropäischen, also vom Lebensstandard ähnlichen Staaten, schneidet Deutschland schlecht ab: Dort beträgt die Lohnuntergrenze in der Regel mehr als neun Euro.