Wohl von geflüchteten Kindern und Jugendlichen besonders gefährdet

Schon bald sollen in gigantischen Lagern bis zu 1.500 Geflüchtete weggeschlossen werden – abgeschottet von dem Rest der Gesellschaft. 24 Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen sehen bei diesen „Anker-Zentren“ besonders die Rechte von Kinder und Jugendlichen gefährdet. „Auf Grundlage der bisher bekannten Pläne steht für uns fest: Ankerzentren werden keine geeigneten Orte für Kinder und Jugendliche sein“, sagt der Terre des Hommes-Kinderrechtsexperte Thomas Berthold. Allein 45 Prozent der 2017 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge waren Kinder und Jugendliche.

Der „Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V.“ („Der Paritätische“) kritisiert die Pläne zu den Anker-Zentren scharf und fordert eine grundsätzliche Kurskorrektur: „Die aktuellen Planungen um die Anker-Zentren verfolgen eine Politik der Abschreckung, Abschottung und Ausgrenzung. Diese zunehmende Abkehr von der Willkommenskultur hat verheerende Folgen nicht nur für die Schutzsuchenden, sondern auch für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir brauchen eine menschenrechtsorientierte und humane Aufnahmepolitik“, so Ulrich Schneider, der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

„Anker“ steht als Abkürzung für „Ankunft, Entscheidung und Rückführung“. Die dafür vorgesehenen Gebäude sind geschlossene Einrichtungen, in denen Asylbewerber sich solange aufhalten sollen, bis ihre Identität eindeutig ermittelt und ihr Asylstatus geklärt ist. Während dieser Zeit sind sie von jeglichen Integrationsangeboten (Sprach-, Orientierungs- oder Einstiegskursen für Arbeit) ausgeschlossen. Asylverfahren dauern dabei laut Medienberichten an die 17 Monate, im Schnitt warten Antragsstellende 10 Monate lang – die Bundesregierung hingegen spricht von einer Wartezeit von zwei bis sieben Monaten.