Neue Berechnungen zeigen, dass viel mehr Kinder in Deutschland in Armut leben

Laut neuen Untersuchungen und Berechnungen des deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) ist Kinderarmut in Deutschland weit verbreiteter als bisher angenommen. Demnach sollen rund 4,4 Millionen Kinder in Deutschland von Armut betroffen sein. Bisher sei man von „nur“ rund 3 Millionen ausgegangen, rund 1,4 Millionen weniger.

Die Differenz zwischen den bisher öffentlichen Zahlen und den neuen Berechnungen des Kinderschutzbunds ergeben sich aus der Berechnungsgrundlage: Bisher sind nur all jene Kinder mitgezählt worden, für die der Staat Sozialleistungen bezahlt. Zählt man jedoch auch solche Familien hinzu, die zwar Anspruch auf staatliche Leistungen haben, diesen Anspruch aber nicht wahrnehmen, so liegt die Zahl deutlich höher (Link).

So sollen allein 850.000 Kinder aus der bisherigen Statistik herausgefallen sein, weil ihre Eltern zwar einen Anspruch darauf hätten, aufstockende Hartz IV-Leistungen zu bekommen, diese aber nicht in Anspruch nehmen. Hinzu kommen nochmals 190.000 Kinder, deren Eltern offiziell nicht erwerbstätig sind und die trotzdem keine Leistungen beantragen.

„Zählen wir alles zusammen, kommen wir konservativ gerechnet auf eine Dunkelziffer von 1,4 Millionen Kindern“, so Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbunds. „Diese Zahlen könnte die Bundesregierung auch klar nennen, aber das will sie offenbar nicht.“ kritisiert Hilgers die bisherigen Veröffentlichungen (Link).

Hilgers warnt zudem, dass bei einzelnen Leistungen, etwa beim Kinderzuschlag, die Nicht-Beantragungsquote sogar noch deutlich höher sei und bei bis zu 70 Prozent liege.