Nicht immer, David Graeber zufolge – der Anthropologe erklärt ein Drittel der Jobs zu „Bullshit-Jobs“

Als David Graeber zuerst in einer Veröffentlichung das Wort „Bullshit-Job“ verwendete, fühlten sich Tausende angesprochen und berichteten von ihrer sinnbefreiten Tätigkeit. Denn ein Bullshit-Job ist laut Graeber ein Job, dessen Existenz gesellschaftlich nicht zu rechtfertigen ist, eine Arbeit zum Selbstzweck gewissermaßen. Weiter stellt er die These auf, dass diese Bullshit-Jobs rund ein Drittel der amerikanischen Beschäftigungsverhältnisse ausmachen und tendenziell besser bezahlt sind als ehrliche Jobs, in denen Menschen für geringen Lohn sinnvolle Arbeit leisten.

Das „Bore-Out“ Syndrom

Das Burnout-Syndrom ist mittlerweile Vielen ein Begriff. Studien zufolge fühlt sich fast jede/r zweite ArbeiterIn in Deutschland bedroht, durch Überforderung und zu hohe Arbeitsintensität irgendwann an Burnout zu erkranken. Für Graeber und sein Buch „Bullshit Jobs“ war der gegenteilige Fall interessant: Menschen, die an ihrer Arbeitsstelle das Gefühl haben, zwar bezahlt, aber eigentlich nicht gebraucht zu werden.

Der Wissenschaftler beschreibt dabei gut bezahlte Jobs im Management, bei denen beispielsweise Angestellte beaufsichtigt werden sollen, die nicht beaufsichtigt werden müssen. Dieses Gefühl, überflüssig zu sein, löse bei einigen heftige Symptome aus, die von Schlaflosigkeit bis hin zu Depressionen reichen. Sie leiden am Bore-Out-Syndrom.

Der „Manager-Feudalismus“

Wie kann es sein, dass wir zwar erleben können, dass an allen Ecken und Enden Arbeitskräfte fehlen, aber manche das Gefühl haben, einen unsinnigen Job zu haben? Graeber nennt dieses Phänomen den „Manager-Feudalismus“: In unteren Ebenen der Firmenhierarchie würden Jobs gekürzt, ArbeiterInnen auf die Straße gesetzt, in den Ebenen des Managements hingegen immer neue Mittel freigesetzt.

David Graeber schlussfolgert, dass manche dieser unfruchtbaren Jobs entstehen, damit mehr Menschen überhaupt in Arbeit sind. Und er stellt die Frage, warum nicht einfach die Arbeit, die tatsächlich erledigt werden muss, fair aufgeteilt wird – ein bisschen oder weniger Arbeit für Jede/n also. Die Antwort gibt er selbst: Der Kapitalismus sei offensichtlich kein effizientes Wirtschaftssystem, dass diese Verteilung ermögliche.