Auf über 330 Social Media-Kanälen ist die Polizei aktiv
In einem Interview mit dem NDR-Magazin ZAPP nahm Dr. Peter Ullrich, Konflikt- und Polizeiforscher, Stellung zum twitter-Verhalten der Polizei. Insbesondere hatte der Forscher zuvor analysiert, wie Twitter als Kommunikationsmedium während der G20-Proteste in Hamburg genutzt wurde.
„Neutrale Berichterstattung“
Dr. Ullrich erläutert den gesetzlichen Auftrag der Polizei als „neutrale Berichterstattung“, bei der die Polizei „politisch nicht Partei ergreifen“ dürfe. JournalistInnen und KommunikationsforscherInnen streiten derweil, ob es so etwas wie neutrale Berichterstattung überhaupt geben kann – im Fall der Polizei spricht einiges dagegen. Das räumt auch der interviewte Forscher ein. Wie im Fall von G20 ist die Polizei Beteiligte, sie repräsentiert eine der Konfliktparteien. Und auch, ob die 480 Zeichen, die twitter erlaubt, ausreichten, um reflektiert und differenziert wiederzugeben, was beispielsweise in Hamburg vor sich ging, stellt der Wissenschaftler in Frage. Besonders problematisch sei das deshalb, weil große Medienhäuser sich auf die Aussagen der Polizei stützten, sie gälten als zuverlässige Quelle, auch auf twitter. Er merkt an, dass die Meldungen der Polizei seltener gegengeprüft würden, was eigentlich Teil der journalistischen Arbeit ist.
„Reine PR“
Auch bevor es twitter, facebook oder snapchat gab, hat die Polizei mit der Außenwelt kommuniziert und Bericht erstattet über die eigene Arbeit. Verglichen mit den Social Media-Profilen geht es dort aber weit weniger freundlich oder lustig zu, der Wissenschaftler nennt an dieser Stelle als Beispiel Tierrettungsaktionen. Eigentlich fallen diese nicht wirklich in den Aufgabenbereich der Polizei, andererseits berichtet sie wirklich gern auf facebook darüber.
Dr. Ullrich resümiert, dass twitter & Co. für die Polizei eben nicht nur Kommunikations-, sondern auch Werbemedium ist. Womöglich beschäftigt die Polizei die 80 Social Media-Manager, die mittlerweile für 330 Kanäle auf Twitter, instagram, facebook, youtube und snapchat zuständig sind, also nicht nur, um die Qualität der Kommunikation zu verbessern, sondern um ihr Image aufzuwerten .