In ihrer ersten Wahlperiode als Bundeskanzlerin versprach Angela Merkel, dass Bildung in der deutschen Gesellschaft künftig der Schlüssel zum Erfolg sein solle. Wohl wissend, dass seit jeher auch im Bildungssystem all die bevorteilt sind, deren Eltern bereits gut gebildet sind, und dass Bildungsbiographien fast immer denen der Eltern ähneln, sollte ein umfassendes Programm erstellt werden. Bereits im Kindergartenalter sollten Verbesserungen spürbar sein und sollte allen Kindern Zugang zu frühkindlicher Förderung ermöglicht werden. Wie es heute mit der flächendeckenden Kita-Versorgung aussieht, ist allgemein bekannt und stellt arbeitende Eltern, insbesondere Mütter, vor große Probleme.

Doch neben der Frage der Betreuung an sich hat eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds nun untersucht, ob tatsächlich Maßnahmen getroffen wurden, die Kinderbetreuung und Schuldbildung so zu gestalten, dass dort Chancenungleichheiten vorgebeugt werden kann. Das Ergebnis: Vom Kindergarten bis zur weiterführenden Schule ist der Bildungsweg von Kindern vom Bildung und Status der Eltern abhängig, kaum eines der Ziele wurde erreicht.

Herkunft und Bildungsniveau entscheidend

Die Studie hat schon für unter Dreijährige beleuchtet, welche Faktoren eine Betreuung in einer Krippe begünstigen oder erschweren. Dort ist beispielsweise der Teil der Kinder, die betreut werden, in Familien ohne Migrationsgeschichte doppelt so hoch, bei migrantischen Familien werden nur rund 20 Prozent der Kleinkinder betreut. Noch drastischer ist der Unterschied mit Blick auf die Schulbildung: In Familien, in denen der höchste Bildungsabschluss ein Hauptschulabschluss ist, werden rund 16 Prozent der Kleinkinder betreut, in Familien mit Abitur oder Fachabitur sind es beinahe 40 Prozent.

Der Bildungsforscher Klaus Klemm, den der Gewerkschaftsbund für die Studie beauftragt hat, spricht auch von einer Art Konkurrenz um knappe Kitaplätze: „Aber wenn Kita-Plätze ohnehin knapp sind, hat ein Akademikerpaar oft auch die größere Kompetenz, sich einen zu sichern, als die zugewanderte Frau aus Afghanistan.“

„Soziale Entmischung“

Im deutschen Bildungssystem werden Kinder die ersten Schuljahre gemeinsam unterrichtet, ohne nach Leistungen sortiert und separiert zu werden. Klemm stellt dar, dass das nur in der Theorie so funktioniere. In der Praxis stehen auch Grundschulen vor dem Problem der „sozialen Entmischung“, das bedeutet, dass Stadtviertel und Einzugsgebiete von Schulen von eine sehr homogene Bevölkerungsstruktur haben. Schulen, auf die Kinder aus AkademikerInnenfamilien in ganz natürlicher Weise mit Kindern von weniger gut ausgebildeten Eltern gehen, gibt es demzufolge immer weniger.

Diese Tatsache kennen Viele schon aus anderen Zusammenhängen als der Schulbildung – Gentrifizierung ist zum großen Teil dafür verantwortlich, dass Geringverdienende sich bestimmte Viertel und Gegenden nicht leisten können und wegziehen. Die Folge sind klar unterscheidbare arme und reiche Regionen. Es ist nicht zuletzt der Staat, der solche Gentrifizierungsprojekte immer wieder gefördert hat und so aktiv der Bildungsgerechtigkeit, seinem selbsternannten Ziel, im Wege steht.

Von der Kita bis zur Hochschule

Die Studie zeigt: Die Ziele, die auf dem Bildungsgipfel gesteckt wurden, sind nicht erreicht worden. Und noch mehr: die Benachteiligung zieht sich durch alle Etappen des Bildungslebens. Bezeichnend ist zum Beispiel die Differenz unter denjenigen, die eine Ausbildung an einer Hochschule beginnen: Nur 23 von 100 Nicht-Akademiker-Kindern entscheiden sich für ein Studium, unter Kindern von Akademikern sind es 77 – und das, obwohl sich die Qualifikationen nicht großartig unterscheiden.

Auch an der Finanzierung habe es gemangelt. Vereinbart war, dass 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Umsetzung der Bildungsziele investiert werde – im abgesehenen Zeitraum waren es 9,1 Prozent.