Alle angebotenen Sturmgewehre fallen bei Tests durch

Nach Berichten über Ungenauigkeiten bei besonders heißem Wetter oder Dauerfeuer hatte das Bundesverteidigungsministerium im April 2015 entschieden, das Standardgewehr der Bundeswehr (das G36 von Heckler&Koch) durch neue Gewehre ersetzen zu lassen. Seitdem läuft die Suche nach einer Nachfolge-Waffe.

Im April 2017 startete das Verteidigungsministerium dazu ein internationales Vergabeverfahren für die neuen Gewehre mit klaren Anforderungen an die neue Waffe. Im Februar 2018 endete dann die Angebotsfrist für die Rüstungsunternehmen. Bis 2021 sollten die neuen Waffen dann im Einsatz sein.

Doch nun scheinen unerwartete Probleme die Anschaffung neuer Waffen massiv zu verzögern: Bei ersten Tests der von verschiedenen Herstellern angebotenen Waffen genügte kein einziges den Anforderungen der Bundeswehr (Link). Die beiden deutschen Waffenhersteller SIG Sauer und Rheinmetall hatten sich bereits 2017 bzw. 2018 aus dem Vergabeverfahren zurückgezogen.

Vergleichsproben und Tests sollen ergeben haben, „dass keines der angebotenen Produkte alle durch den öffentlichen Auftraggeber zwingend geforderten Leistungen erfüllt“, heißt es in einem vertraulichen Schreiben des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) an das Verteidigungsministerium. Das Papier soll der WELT AM SONNTAG vorliegen.

Bei den Tests „stellte sich wider Erwarten heraus, dass die Erfüllung einzelner Muss-Forderungen durch die vorgestellten Sturmgewehre nicht erbracht werden konnte“, heißt es weiter in dem Schreiben des Beschaffungsamts. Nun wurde den beteiligten Unternehmen eine weitere Frist bis zum 15. Februar 2019 eingeräumt, um die Mängel zu beseitigen. Anschließend werden dieselben Tests erneut durchgeführt. Allein dadurch soll sich die Beschaffung um mindestens acht Monate verzögern.

Hinzu kommen Befürchtungen, dass die Waffen keine ausreichende Durchschlagskraft haben. So seien bei allen Angeboten Gewehre mit dem Kaliber 5,56 Millimeter vorgestellt worden. In der Bundeswehr gibt es jedoch Forderungen nach einer Ausstattung mit Gewehren mit einem Kaliber von 7,62 Millimeter. Nun will das Beschaffungsamt „mittels gesonderter Untersuchungen die Durchschlagsleistung …  verifizieren“ und bei einem negativen Ausgang dieser Untersuchungen den gesamten Beschaffungsvorgang abbrechen.

Die Ausschreibung umfasst die Anschaffung von 120.000 Sturmgewehren. Dafür stehen bisher rund 250 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen 150 Millionen Euro für notwendiges Zubehör. Der tatsächliche Preis der Gewehre wird erst mit dem endgültigen Hersteller ausgehandelt werden müssen. Allein die neuerlichen Tests werden die Bundeswehr rund 750.000 Euro kosten.